Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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das lang über ihren Rücken herniederfloß. Ihr Antlitz war farblos und bleich, wie das einer Leiche, und feſt geſchloſſen, wie bei einer Todten, waren ihre ſchmalen, blutleeren Lippen. Aber in ihren Augen war noch Leben, aus ihnen flammte eine düſtere, wilde, fanatiſche Gluth, und ihre Blicke, die wie Irrlichter umherflackerten, erfüllten alle Dieje⸗ nigen, auf welchen ſie ruhten, mit einem fröſtelnden, unheimlichen Gefühl des Grauſens.— Wie ſie jetzt ganz zufällig nach dem Fenſter emporſchaute, an welchem die drei Herren ſtanden, flog der Schatten eines Lächelns über ihr Antlitz hin und ſie nickte leiſe mit dem Kopf. Niemand achtete vielleicht darauf, Niemand ſah, daß Herr von Giurgenow dieſen Gruß erwiederte, und dieſem ſeltſamen, räthſelhaf⸗ tem Weibe da unten wie im Einverſtändniſſe zu⸗ lächelte.

Wiſſen Sie, Meſſieurs, was dies Alles be⸗ deutet? fragte der franzöſiſche Officier verwundert.

Das bedeutet, ſagte der Ruſſe lachend, daß das Volk da von ſeinem großen Propheten den Ausgang, oder vielmehr das Ende des Krieges erfahren will. Dieſes gute Volk ſehnt ſich, wie es ſcheint, nach Ruhe, und möchte wiſſen, wann es dieſelbe erlan⸗ gen wird. Der Mann da weiß das, denn er iſt, wie geſagt, ein großer Phrophet und alle ſeine Ver⸗ kündigungen ſind wahr geworden.

Und Sie vergeſſen ganz die Frau zu erwähnen? fragte Ranuzi mit einem eigenthümlichen Lächeln.

Die Frau iſt, glaube ich, eine Kartenſchlägerin, welche bei der Prinzeſſin Amalie viel gilt, ſagte Herr von Giurgenow gleichgültig. Aber hören wir doch, was der Prophet eben ſagt.

Sie ſchwiegen und lauſchten mit geſpannter Auf⸗

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