Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Er reichte ſeinem Nachbar zur Rechten das Blatt und deutete mit ſeinem von Brillantringen ſtrahlen⸗ den Finger auf eine Stelle der Zeitung hin.

Da ſteht allerdings etwas von dem Prinzen Hein⸗ rich, erwiederte dieſer mit dem eigenthümlichen Ac⸗ cent, welcher den Ruſſen verrieth, und zwar ſteht da Etwas, was Sie, Monſieur de Belleville, ganz außer⸗ ordentlich intereſſiren wird.

Oh, ich bitte, leſen Sie es uns, rief der Franzoſe ungeduldig, aber ſich dann mit einer anmuthigen Verbeugung an den dritten der Herren wendend, welcher gleichgültig und ſtumm neben ihnen ſaß, fügte er hinzu: aber es fragt ſich zuförderſt, ob unſer freundlicher Herr Wirth, Monsieur le Comte de Ranuzi, auch Theil daran nimmt und dieſe Lectüre erlaubt?

Ich nehme an Allem Theil, Meſſieurs, ſagte der italieniſche Graf nachläſſig, und Alles iſt mir intereſ⸗ ſant, was von anderen Dingen handelt, als von dieſem langweiligen und öden Berlin.

vraiment, Sie haben Recht, ſeufzte der Franzoſe. Es iſt ein langweiliger, ſteifer Ort. Man iſt hier ſo unerhört tugendhaft und prüde, von ſo altmodi⸗ ſchen Scrupeln und ſo ganz befangen in kleinlichen Vorurtheilen, daß ich wirklich darüber lachen müßte, wenn ich nicht täglich unter dieſer Eintönigkeit und Langeweile zu leiden hätte. Gott, was würde die reizende Gebieterin von Frankreich, was würde die Marquiſe von Pompadour ſagen, wenn ſie mich,

den heiteren, lebensluſtigen Belleville, den ſie oft im ihrer ſcherzhaften Laune mit dem Titel eines Hof⸗ narren beehrt hat, wenn ſie mich, ſage ich, hier ſehen

könnte, wie ich mich ganz ernſthaft mit dieſer armen Königin von Preußen unterhalte, welche ein ernſta⸗