Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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fanden keine Feſte und Geſellſchaften ſtatt, zu denen ſie nicht geladen worden. Denn man gab Feſte und Geſellſchaften bei Hofe, man verbarg ſeine trauern⸗ den und angſtvollen Geſichter unter heiteren Masken, man übertönte ſeine Seufzer und Klagen mit dem lauten Schall der Tanzmuſik, und wahrend in der Ferne vielleicht die Oeſterreicher, Ruſſen und Preußen in blutiger Schlacht ſich gegenüberſtanden, tanzten die Berliner Damen mit den gefangenen öſterreichi⸗ ſchen und ruſſiſchen Officieren die anmuthigen fran⸗ zöſiſchen Tänze, wie ſie am feindlichen Hofe zu Ver⸗ ſailles jetzt Mode waren. Freilich gab es Traurige und Unglückliche genug in dieſem anſcheinend ſo hei⸗ teren und luſtigen Berlin, aber ſie verbargen ſich. mit ihren Thraͤnen und ihrem Kummer in ihrem ſtillen Kämmerlein, und ihre gramumdüſterten Ge⸗ ſichter warfen keine düſteren Schatten auf die heite⸗ ren und lebensfrohen Geſichter der ſchönen Damen, welchen der Krieg die Bruͤder, Geliebten und Gatten entfuhrt, und denen er dafür in den gefangenen Officieren, wenn nicht Stellvertreter, doch eine Zer⸗ ſtreuung geſandt hatte. Zudem iſt es unmöglich immer zu trauern, immer zu klagen, immer in klö⸗ ſterlicher Stille zu leben. Man hatte damit ange⸗ fangen, die Schwüre der Treue, welche man beim Ab⸗ ſchied geleiſtet, halten zu wollen, und Berlin hatte anfangs ganz die Phyſiognomie einer ſchönen trau⸗ ernden Wittwe gehabt, welche nichts mehr wiſſen will von der Luſt des Lebens. Aber allgemach hatte man doch dem Geſetz der Natur, welche das Ver⸗ geſſen lehrt, folgen müſſen. Die Thränen waren allmählig verſiegt, die Seufzer waren verſtummt; man hatte gelernt ſich einzurichten mit dem Leben und begierig nach jedem Sonnenſtrahl zu haſchen,