— 10—
führung ward er entdeckt; der preußiſche Komman⸗ dant ließ die Wachen vor den Kaſematten, in wel⸗ chem dreitauſend ruſſiſche Soldaten gefangen lagen, verdoppeln, und die ruſſiſchen Officiere in Arreſt bringen. Der Anführer derſelben, Lieutenant von Lü⸗ ders aus Kurland, ward angeklagt, vom Kriegsge⸗ richt verurtheilt und auf Befehl des Königs gerä⸗ dert.— Aber dieſes abſchreckende und fürchterliche Beiſpiel hatte dennoch nicht ſeine Früchte getragen. Immer neue Verſuche wurden gemacht, immer neue Verſchwörungen der Gefangenen entdeckt, und wenn die Heere der verbündeten Feinde Preußen von Außen angriffen, ſo führten die Gefangenen im Innern Preußens einen nicht minder gefährlichen kleinen Guerillakrieg, der um ſo bedrohlicher war, da er nicht mit offenem Viſir und bei Tage, ſondern nur in dem Schatten der Nacht und unter dem Schleier der Verſchwörung geführt werden konnte.
Nirgends ward dieſer kleine Guerillakrieg indeß in größerem Maßſtab getrieben, als in Berlin ſelbſt. Hierher hatte der König alle die bei Roßbach gefan⸗ genen franzöſiſchen, alle die bei Leuthen gefangenen öſterreichiſchen, und die bei Zorndorf gefangenen höheren ruſſiſchen Officiere bringen laſſen. Sie durf⸗ ten frei umhergehen, die ganze Stadt war ihr Ge⸗ fängniß, und nur ihr Ehrenwort verflichtete ſie, die Ringmauern dieſes großen Gefängniſſes nicht zu überſchreiten. Außerdem beeiferte ſich Jedermann, den„armen Gefangenen“ ihre Qualen zu erleichtern, und ſie durch Feſte und geſellige Zerſtreuungen die Leiden der Gefangenſchaft vergeſſen zu machen. Die Thüren aller der erſten und beſten Häuſer waren dieſen fremden Herren geöffnet, überall waren ſie willkommene Gäſte, und ſelbſt am königlichen Hofe


