ſerin Maria Thereſia in dieſem„Briefe der Mar⸗ quiſe von Pompadour an die Königin von Ungarn“, in welchem das unerhörte Freundſchaftsbündniß zwi⸗ ſchen der tugendhaften Kaiſerin und der üppigen königlichen Maitreſſe arg genug gegeißelt ward.*)— Und man las nicht allein dieſe Briefe, die in vielen tauſend Exemplaren verbreitet waren, ſondern man war ſogar naiv genug, an die Aechtheit derſelben zu glauben, ſo daß der öſterreichiſche Hof ſich zu der öffentlichen Erklärung veranlaßt ſah, alle dieſe Briefe ſeien untergeſchoben, der Feldmarſchall Daun habe vom Papſt nicht eine geweihete Perrücke, ſondern einen geweiheten Hut erhalten, und niemals habe die Kaiſerin von der Marquiſe von Pompadour ei⸗ nen auch nur annäherungsweiſe ähnlichen Brief er⸗ halten.**)
Dieſe„fliegenden Blätter“ wie geſagt, das waren die Waffen, mit welchen der König ſeine Feinde bekämpfte, wenn die rauhe Jahreszeit es unmöglich machte, ihnen im offenen Felde gegenüber zu ſtehen. In dem Winterquartier von 1758 entſtanden die meiſten dieſer fliegenden Blätter, und Niemand, außer dem vertrauteſten Freunde des Königs, dem Marquis d'Argens, ahnte, wer der Verfaſſer dieſer gehaßten und gefürchteten Satyren ſei.
*) In dieſem Briefe beſchwert ſich die Marquiſe, daß die Kai⸗ ſerin es ihr unmöglich gemacht habe, zu ihr zu eilen, und ihr in Wien die Huldigungen ihrer Liebe und Freundſchaft darzubringen, weil Maria Thereſia in Wien den Gerichtshof der Tugend einge⸗ führt habe, und dieſer ſchwerlich ſie begnadigen könne. Die Mar⸗ quiſe beſchwört daher die Kaiſerin, ihre Strenge fahren zu laſ⸗ ſen, dieſe fürchterlichen Tugendtribunate abzuſchaffen und ſich der Allgewalt der herrlichen Göttin Venus zu beugen. Alle dieſe „Briefe und Sendſchreiben“ finden ſich geſammelt in den 8upplé- ments zu den Oeuvres posthumes Vol. III. p. 222— 365.
**) Lebensgeſchichte Laudon's von Johann Pezzl, S. 102.


