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nun darfſt Du mich nicht vergeſſen wollen, denn nun ſterbe ich.
Sie umſchlang ihn mit ſanfter Zärtlichkeit. Nein, nein, flüſterte ſie, Gott wird Erbarmen haben, Gott wird mir den einzigen Troſt, die einzige Freude meines armen, öden und freudenloſen Lebens nicht rauben. Ich hatte nichts weiter als dieſes eine Glück, zu den⸗ ken:„Er lebt! Er athmet mit mir dieſelbe Luft, er ſchaut mit mir zu demſelben Himmel empor und die⸗ ſelben Sterne begrüßen ihn und mich. Und ein Tag wird kommen, da werden Millionen Menſchen ihn mit lautem Jubel grüßen und ihn ihren König nennen, und wenn ich ihn dann mit ſtolzer Pracht, mit dieſem erhabenen, ſchönen Angeſicht, welches Gott mit ſeinem ſchönſten Lächeln geküßt hat, in der Mitte ſeines Volkes ſehen werde, ſo kann ich zu mir ſelber ſagen: Das ſſt mein Werk! Weil ich ihn mehr geliebt, als mich ielber, trägt er die Krone, weil ich den Muth hatte nicht bloß für ihn zu ſterben, ſondern ohne ihn zu leben, deshalb iſt er jetzt König!“— Oh, mein Geliebter, ſage nicht, daß Du ſtirbſt! Du wirſt geneſen. Du mußt geneſen!
Wenn Du mich wahrhaft liebſt, ſo darfſt Du das nicht wünſchen, Laura, ſagte er. Ich ſterbe ſchon ſo lange. Seit ſechszehn Jahren ſitzt der Todeswurm in mir und bohrt, und bohrt. Ich wollte ihn ja tödten, ich wollte ja leben, wollte das Leben ertragen, weil ich Dir's gelobt hatte. Ich wollte ein Mann ſein,— ich gab die Liebe, welche Du mit unſeren Thränen und unſerem Blut getränkt zu meinen Füßen nieder⸗ gelegt hatteſt, ich gab ſie meinem Vaterland! Man ſagte mir, das Vaterland verlange von mir, daß ich mich vermähle, und ich that es. Ich legte eine Maske über mein Antlitz, eine Maske über mein Herz, ich


