Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

207

hüllten Thür ſtehen blieben. In dieſem Gartenſalon iſt der Prinz! Ddie Dame lehnte einen Moment mit hochklopfen⸗ dem Herzen, mit todesbleichen Lippen an der Thür und ſchien nach Faſſung zu ringen.

Jetzt bin ich bereit, ſagte ſie dann ſich wieder emporrichtend, jetzt mögen Sie mich dem Prinzen melden!

Cs iſt nicht nöthig, Gräfin, ſagte der Officier. Der Prinz, deſſen Nerven ſo überreizt ſind, daß das kleinſte Geräuſch ihm nicht entgeht, hat das Anrollen Ihres Wagens vernommen, und weiß, daß Sie hier ſind. Er erwartet Sie, und hat ausdrücklich befohlen, daß Sie unangemeldet zu ihm kommen. Haben Sie alſo die Gnade einzutreten. Sie werden ganz allein mit ihm ſein.

Er hob den Vorhang empor, und die Gräfin legte die Hand auf den Griff der Thür, um ſie leiſe zu öff⸗ nen. Aber bevor ſie das that, blickte ſie noch einmal zurück zu ihrem Begleiter.

Es iſt keine Hoffnung, daß er geneſe? fragte ſie.

Keine! Die Aerzte ſagen, daß er den heutigen Tag nicht mehr überleben werde.

Jetzt öffnete die Gräfin die Thür, und ſo leiſe und geräuſchlos that ſie es, daß auch nicht das kleinſte Ge⸗ räuſch ihr Eintreten verrathen konnte.

Nun ſank ſie nieder auf den Seſſel neben der Thür, und ihre von Thränen verdüſterten Blicke hef⸗ teten ſich mit einem unausſprechlichen Ausdruck auf dieſe Geſtalt, welche da, das Haupt zurückgelehnt in die Kiſſen auf dem Ruhebett lag, welches an der

nach dem Garten führenden, geöffneten Glasthür

ſtand. Wie? Dieſe bleiche, abgezehrte Geſtalt, dieſes Ant⸗