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XV.*
Das gebrochene Herz.
Vor dem Luſtſchloſſe zu Oranienburg hielt eine Equipage. Die Dame, welche in derſelben ſaß, ſchaute mit angſtvoll fragenden Blicken zu den Fenſtern des Schloſſes hin, und ein ſchwerer Seufzer hob ihre Bruſt, als ſie die heruntergelaſſenen Jalouſien, die Ab⸗ weſenheit alles Lebens und aller Bewegung in dem ganzen Schloſſe gewahrte.
Aus dem großen Portal deſſelben eilte indeſſen jetzt ein Officier herbei, um die Dame zu begrüßen und ihr beim Ausſteigen behülflich zu ſein.
Nicht wahr, er lebt noch? fragte ſie athemlos und beklommen.
Er lebt noch, Gräſin, und er erwartet Sie mit Sehnſucht, erwiederte der Officier, indem er ver Gräfin den Arm bot und ſie in's Schloß geleitete.
Sie erwiederte nichts, ſie hob die großen, ſeelen⸗ vollen Augen mit einem dankbaren Ausdruck zum Him⸗ mel empor, und ihre Lippen bewegten ſich als ob ſie betete.
So ſchritten ſie eilig und ſchweigend durch die Reihe der glänzenden Säle dahin, die jetzt alle öde und leer waren und deren Prunk etwas Schauerliches und Schmerzliches hatte, weil er ſo wenig paßte zu der traurigen und düſteren Stimmung derer, welche ſie durcheilten.
Hier ſind wir zur Stelle, Gräfin, ſagte der Offi⸗ cier, als ſie jetzt vor einer mit großen Filzdecken ver⸗
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