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ees war heute in der That ein Genuß, dem König zu⸗ zuhören, er ſpielte mit einem wahren Schwunge d Begeiſterung, mit einem ſo hinreißenden Gefühl, der Marquis d'Argens außer ſich war vor Entzüc und daß Graun ſich nicht enthalten konnte, ein lei Bravo zu murmeln.
Auf einmal aber zuckten die beiden zuhörenden Mu⸗ ſiker zuſammen, wie im bangen Schrecken, und Quanz ließ ein dumpfes Knurren und Räuspern vernehmen. Sie hatten da in der Compoſition des Königs einen Fehler gehört, die große Sexte, welche der König da chiffrirt hatte, war ganz gegen die ſtrengen Regeln der Kunſt. Der König ſpielte ruhig weiter, nur ſagte er, als dieſer Satz zu Ende war: da Capo, und fing ihn von vorne an. Und wieder kam die gefürchtete Stelle, aber— diesmal zuckten Graun und Faſch nicht zu⸗ ſammen, denn Quanz hatte die Vorſchrift des Königs nicht beachtet und griff ein anderes Intepvall.
Der König hielt inne. Die große Sexte, Quanz, ſagte er eifrig, indem er die Flöte wieder an den Mund ſetzte.
Quanz warf ihm einen mürriſchen Blick zu. Wie Euer Majeſtät befehlen, ſagte er, und jetzt ſchlug er die Sexte ſo derb an, daß Graun und Faſch ein grau⸗ ſiges Fröſteln durchlief und Quanz ſelber ſich laut räuspern mußte, um es zu überwinden.— Nur der ungelehrte Marquis blickte mit ſelig verklärtem Lächeln auf ſeinen königlichen Freund, deſſen ſchöne Muſik ihm Thränen in die Augen trieb.
Als der Satz beendet war legte der König die Flöte nieder. Set ſage Er mir einmal, Quanz, ſagte er, glaubt Er, daß die Sexte hier fülſch iſt?
Ja, Majeſtät, ſie iſt falſch.
Und Ihr Beide da, glaubt Ihr's auch?


