Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Der König ſchwieg und wandte ſein Antlitz weg, um den Marquis die Thränen nicht ſehen zu laſſen, welche ſeine Angen umdüſterten. 4

Oh, Sire, ſagte der Marquis tief bewegt, vergeſſen Sie den Undankbaren, deſſen ſeige Seele der Freund⸗ ſchaft eines Helden nicht werth war!

Ich werde ihn vergeſſen, ſagte der König, aber es wird doch ein Stachel in meinem Herzen zurückbleiben, und den werde ich wider meinen Willen doch zuweilen noch empfinden.*) Und nun genug auch davon, Sie ſind da, und an Sie, Feund, glaube ich noch immer; Sie und der gute Lord Marſchall, das ſind die beiden

7»» Der König hatte die Ernennung des Grafen von Schaff⸗ gotſch zum Biſchof von Schleſien und Mähren erſt nach vielen Be⸗ mühungen beim Papſt und wider die Wünſche des Domcapitels von Breslau durchgeſetzt, und den Grafen faſt mit Gewalt in das Bisthum eingeſetzt, um der angeſehenen ſchleſiſchen Familie des Grafen Schaffgotſch einen neuen Beweis ſeiner Gnade zu geben. Der neue Fürſtbiſchof wurde ſodann im Jahre 1749 in Berlin vom König mit großer Pracht mit den Fürſtenthümern Neiße und Grot⸗ kau belehnt, und der König, welcher mit dem Verleihen ſeines gro⸗ ßen Hausordens ſonſt immer ſehr ſparſam war, verlieh ihm den ſchwarzen Adlerorden; im Jahr 1756 noch ließ der König in Sans⸗ ſouci drei Zimmer für den Biſchof prachtvoll einrichten, und Schaff⸗ gotſch hielt ſich dort einige Zeit bei ihm auf. Aber ſchon im Jahre 1757, ſowie die Oeſterreicher ſich zum Herrn von Breslau gemacht, verrieth er den König. Doch für ſolchen Verrath ward ihm ſelbſt von den Oeſterreichern nur Verachtung, und als er, nachdem Friedrich Schleſien wieder erobert hatte, nach Wien entfloh, ward er dort bei Hofe nicht empfangen. Er wandte ſich dann nach Mähren und ſchrieb an Friedrich, den er um Verzeihung bat. Der König er⸗ wiederte ihm:Ich will Sie Ihrem eigenen Schickſale überlaſſen, überzeugt, daß eine ſo unverantwortliche Aufführung, wie die Ihrige, unfehlbar die gebührende Strafe nach ſich ziehen wird. Weder der göttlichen Rache, noch der Verachtung der Menſchen werden Sie entgehen, denn ſo verderbt dieſe auch immer ſein mögen, ſo ſind ſie 5 es doch nicht in dem Grade, daß ſie nicht vor Verräthern und Un⸗ 4 dankbaren einen Abſcheu haben.(Preuß, Th. II. S. 114.)