— 195—
gelingen möge, der Welt die Ketten anzulegen, welche ſie ihr ſchon bereitet haben.*)
Nun, Euer Majeſtät werden ſie ſchon zu zwingen wiſſen, dieſe Ketten herauszugeben, und wenn ſie's nicht wollen, ſo wird der Held der beiden Fünfe die Drei doch auch noch zu zerſchmettern wiſſen?**)
Gott gebe es, ſeufzte der König. Ich ſehne mich nach Frieden, obwohl meine Feinde die Welt glauben machen wollen, daß ich der böſe Geiſt bin, welcher den Unfrieden in die Welt gebracht hat, obwohl ſie ſagen, daß, wenn ich nicht wäre, die ganze Welt den Frieden des Paradieſes haben würde. Aber ich kann zu ihnen ſagen, wie Demoſthenes zu den Athenienſern:„Wenn Philipp todt wäre, was würde das weiter zu bedeu⸗ ten haben, oh Athenienſer, als daß Ihr Euch bald einen Philipp machtet?“ So ſage ich: Oeſterreicher! Euer Ehrgeiz, Euere Begierde Alles zu beherrſchen, die würden Euch bald wieder andere Feinde ſchaffen, und den Freiheiten Deutſchlands ſowohl, wie denen von ganz Europa wird es doch nimmermehr an Ver⸗ theidigern fehlen.***)— Doch ſprechen wir jetzt nicht mehr von dieſen unglückſeligen Dingen; ſie gehören der Vergangenheit und der Zukunft an, aber mit der Gegenwart haben ſie nichts zu ſchaffen. Für jetzt giebt es keine Feinde, und der Winter iſt der mächtige Frie⸗ densapoſtel geweſen, welcher alle Schwerter in die
*) Des Königs eigene Worte. Siehe Oeuvres posthumes. Supplément. Vol. II. p. 390. **) Die Siege von Roßbach und von Leuthen waren beide am fünften Tage jedes Monats, nämlich am 5 November und am 5. Dezember 1757. ***) Des Königs eigene Worte. Siehe: Correspondance avxeg Voltaire., Oeuvres posthumes. Supplément 13 ½ II. p. 390.


