Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

193

Ah, Majeſtät, rief der Marquis, deſſen ſchwarze Augen jetzt wieder in Luſt und Liebe ſtrahlten und von keiner Thräen der Rührung mehr getrübt wurden, ah, jetzt fühle ich erſt, daß mein armes Herz doch Recht hatte, wenn es behauptete, immer bei Euer Majeſtät zu ſein und gar keine Trennung anerkennen wollte. Wir ſind wirklich nicht getrennt geweſen, und Euer Majeſtät fangen heute da mit mir an, wo Sie geſtern mit mir aufgehört haben, das heißt, Euer Majeſtät verſpotten mich und mein armes Bett, welches doch ſeit mehr als einem Jahr nur die Seufzer und Kla⸗ gen gehört hat, die ich ausgeſtoßen habe, weil ich von Euer Majeſtät getrennt ſein mußte. So iſt es mir denn gar nicht ſchwer geworden, beſagtes Bett zu ver⸗ laſſen, und dem gütigen Ruf Euer Majeſtät folgend, hierher nach Breslau zu kommen. Wenn Sie das alſo einen Sieg über mich ſelber nennen, der mehr werth iſt als gewonnene Schlachten, ſo beweiſt das nur, wie leicht dem Helden von Roßbach und von Leuthen gewonnene Schlachten geworden ſind.

Nicht doch, Marquis. Aber Sie wiſſen ja, was dieſer vielgerühmte König der Hebräer, dieſer ſo weiſe König, welcher tauſend Frauen hatte, geſagt hat:Der⸗ jenige, welcher ſich ſelbſt überwindet, iſt ſtärker als der, welcher ſich Städte unterwirft. Und Sie, Marquis, Sie ſind dieſer ſtarke Selbſtüberwinder. Aber, mein Freund, Sie ſollen dafür auch königlich belohnt wer⸗ den. Ich habe Ihnen hier Zimmer bereiten laſſen, ſo warm und mollig, wie nur die Marquiſe ſie Ihnen herrichten könnte. Die Fenſter ſind mit Baumwolle verſtopft und am Ofen liegen Pelze, Capoten und Fußſäcke bereit, damit Ihr treuer La Pierre Sie ein⸗ wickeln und umhüllen kann, kurz es ſon Si kein Zug⸗

Mühlbach, Friedr. d. Gr. ꝛc. III.