Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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ſich in ſeine Lectüre vertieft, daß er gar nicht hörte, wie die Thür, welcher er den Rücken zugekehrt hatte,

ſic lei e öffnete.

i der Thür erſchien jetzt die große, ſchlanke Ge⸗ ſtalt des Marquis d'Argens; gleichſam überwältigt von Rührung und Freude blieb er auf der Schwlle ſtehen und blickte mit von Thränen umdüſterten Augen auf den König hin. Dann, ſich gewaltſam zuſammenraffend, zog er leiſe die Thür hinter ſich zu.

Sire, ſagte er dann, werden Sie mir verzeihen, daß ich unangemeldet komme?

Der König ſprang empor und reichte dem Freunde ſeine beiden Hände hin. Willkommen, willkommen, ſagte er. Ich danke Ihnen, daß Sie da ſind.

Der Marquis vermochte nicht zu antworten. Er neigte ſeine Lippen auf die Hände des Königs nieder, welche er mit ſeinen Thränen bethauete.

Mein Gott, ſagte er endlich mit zitternder Stimme, wie lange hat mein armes Herz dieſem glückſeligen Moment entgegengejauchzt, wie viele Opfer habe ich dem Himmel nicht gelobt, wenn er mich ihn erleben ließe!

Und Sie haben es nicht bei dem Geloben bewen⸗ den laſſen, mein Freund, ſondern Sie haben dem Himmel, und gerade dem Himmel ein Opfer Ihrer Freundſchaft dargebracht, ſagte der König lächelnd, und welch' ein Opfer! Sie haben ſeinem Sturm und ſeinen Schneeflocken getrotzt, Sie haben Ihr Bett, wel⸗ ches Sie ſeit acht Monaten bewohnten, und welches Ihnen der Palaſt der Semiramis däuchte, verlaſſen, Sie haben die göttliche Faulheit der menſchlichen Freundſchaft geopfert, und über ſich ſelbſt einen Sieg erfochten, der wahrhaftig mehr werth iſt, als ſechs ge⸗ wonnene Schlachten.