Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Täuſchung erfahren, und Alles in dieſem Schloſſe er⸗ innerte ihn an den verrätheriſchen Freund, den er ſo t“ geliebt und der ihn ſo ſchmachvoll verleugnet hatte.—

An dieſen Freund, an den Biſchof von Schaafgotſch, dachte der König jetzt, und ein Zug tiefer, ſchmerzlicher Trauer umwölkte ſein Geſicht. Er fühlte ſich einſam und allein, es fröſtelte ihn in dieſen kalten ſchweigenden

Zimmern, und der Schnee, welchen der Wind heulend

an die Fenſterſcheiben blies, machte ihn traurig und ſo

verzagt, wie er ſich niemals noch vor einer Schlacht

gefühlt.

Bei ſolchem Wetter wird der Marquis nicht reiſen, ſagte er ſeufzend, und auch meine Muſikanten werden ſich hüten, ſich auf die Landſtraße zu wagen. Sie werden ſagen, der Schnee habe die Landſtraßen ver⸗

weht und es ſei nicht möglich geweſen, durchzukommen.

So werden ſie in Berlin bleiben und wenig darnach

frragen, daß ich hier in Breslau die Stunden zähle, bis ſie kommen! Ja, ja, das iſt ein Beweis von der

Allmacht der Könige! Einige Schneeflocken machen dieſe Allmacht zu Schanden und verwandeln den König in einen ohnmächtigen Sohn des Staubes! Was hilſt es mir, daß ich die Oeſterreicher und Franzoſen beſiegt habe, das ſind nur ausgeſäete Drachenzähne, aus de⸗ nen neue Feinde, neue Schlachten, und wer weiß! auch neue Niederlagen emporwachſen werden! Was hilft es mir, daß ich mein Herz den Freunden weihe, es ſind doch nur Schlangen die ich in meinem Buſen nähre und die mich eines Tages doch beißen werden, wenn ich es am wenigſten vermuthe; ſelbſt Diejeni⸗ gen, denen ich noch trauete, verlaſſen mich jetzt, und gerade, wenn ich ihrer am meiſten bedarf, bleiben ſie mir fern. 3