Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Einer der Generale fprengte jetzt zu dem König heran. Sire, ſagte er, befehlen Euer Majeſtät, daß die Soldaten ſchweigen?

Der König ſchüttelte unwillig das Haupt. Nein, ſagte er, laſſe Er ſie ſingen! Mit ſolchen Leuten wird mir Gott heute gewiß den Sieg verleihen.*)

Immer näher kamen jetzt die feindlichen Colonnen aneinander. In ungeheueren, unüberſehbaren Linien ſtellten die Oeſterreicher ſich auf der meilenlangen Ebene auf und ſtarrten hinüber nach den Preußen, deren Heer von zwei und dreißigtauſend Mann ihnen ſo klein und unbedeutend erſchien gegen ihre zwei und neunzigtau⸗ ſend Mann, daß ſie kaum an die Möglichkeit des Wag⸗ niſſes glauben konnten, daß die Preußen ſich mit ihnen 8 meſſen wollten! Aber dieſe öſterreichiſchen Feldherren,

welche mit geringſchätzendem Lächeln hinüberblickten

nach den anrückenden Preußen, und welche genau ihre ungeheuere Ueberlegenheit und die Schwäche des Fein⸗ des berechnen konnten, ſie hatten bei ihren Berechnun⸗ gen nur Eines nicht ermeſſen: die Verſchiedenheit der beiden Heere! Sie hatten nicht berechnet, baß während die Oeſterreicher ganz kaltblütig und im Vertrauen ih⸗ rer Uebermacht nur mit dem gewöhnlichen Kriegsmuth daherkamen, die Preußen im vollen Gefühl ihrer Ge⸗ fahr, aber voll Zuverſicht auf ihre ſchlachtfertigen Künſte, in hingebender Liebe an ihren König mit wahrer Be⸗ geiſterung und glühendem Enthuſiasmus vorwärts

„krückten.

Jaeetzt ſtanden ſich die Armeen in Schlachtordnung gegenüber. Der König hielt an der Spitze ſeiner Co⸗

*) Des Königs eigene Worte. Siehe: Seydel vaterländiſche Feſtungen. Th. III. S. 126. 5 12*