Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Leichenſtein werde bald emporgehoben, dieſe Gruft werde bald ſich öffnen müſſen, um den armen Ge⸗ fangenen aufzunehmen, an deſſen Grabe keine anderen Thränen fließen ſollten, als die Thränen dieſes feuch⸗ ten Gemäuers, das weicher und mitleidsvoller zu ſein ſchien, als die harten Menſchen! 5

Aber Trenck glaubte nicht daran. Der Todten⸗ kopf und der mit ſeinem Namen bezeichnete Leichenſtein ſchreckten ihn nicht. Es war für ihn weiter nichts, als eine immer ſich erneuernde Warnung, ſich zuſammen⸗ zuraffen, und dieſer Drohung des Todes die feſte Zu⸗ verſicht des Lebens entgegen zu ſetzen.

Wenn ſein Kerker finſter war, und von keinem Strahl des Lichts erhellt, ſo lehnte er ſich an die Mauer und ſchloß die Augen, und ſeine glühende Phan⸗ taſie gehorchte ſofort ſeinem Willen und malte ihm zauberhafte Bilder ſeiner Vergangenheit. Der Gefan⸗ gene im groben Wollenkittel mit den Ketten an Händen und Füßen verwandelte ſich ſodann in den von Glück und Liebe emporgehobenen Günſtling der Fürſten und Großen, in den Liebling der ſchönſten und lieblichſten Frau, in den bewunderten Cavalier, den beneideten Höfling!, e, 11ee

Wenn der Hunger ihn trieb, ſich mit dem harten ſchweren Brod, das ſeine einzige Nahrung bildete, zu ſättigen, und mit dem trüben ſchlechten Waſſer, das in dem zinnernen Krug ſich befand, ſeinen Durſt zu ſtil⸗ len, ſo dachte Trenck dabei an die luculliſchen Mahle, die er an den Tafeln der ruſſiſchen Großen, an der Seite des allmächtigen ruſſiſchen Miniſters Beſtuſchew eingenommen, ſo erinnerte er ſich der fabelhaften Pracht welche ihn dort umgeben, und der tiefen Ehrfurch welche man ihm, dem Günſtling des Günſtlings ein Kaiſerin, damals gezollt!