— 59— .
liche Conſtruction dieſer Feſſeln erſonnen, und ſo oft er zur Viſitation des Gefangenen in ſeinen Kerker kam, freuete er ſich mit ſtolzer Genugthuung ſeines Werkes, wenn er ſah, wie der Gefangene kaum im Stande war, ſeine ſchweren Feſſeln zu tragen, wie er kaum vermochte zur Linken und zur Rechten zwei Schritte weit zu gehen, oder den zinnernen Trinkkrug mit ſeinen durch Eiſenſtangen auseinandergehaltenen Händen zum Munde zu führen. Und ſo oft der granſame Mann den Kerker des Gefangenen verließ, ſprach ein Aus⸗ druck höhniſcher Freude aus ſeinen Zügen, und mit wilder Luſt murmelte er:„Der wird mir nicht ent⸗ wiſchen. Den habe ich für immer zahm gemacht!“
Aber Trenck war nicht zahm gemacht, ſein Muth war nicht gebrochen! In dieſer zerfallenen, zerriebenen und ausgemergelten Geſtalt wohnte immer noch eine
jugendkräftige ſtarke Scele, unter dieſem groben Hemd, deſſen rauhe Musketirleinwand ſeine Haut blutig rieb, ſchlug noch immer ein glühendes, lebenskräftiges Herz! — Man hatte ihn in Ketten geſchmiedet, von denen man glaubte, daß ſie unzerreißbar ſeien! Trenck allein glaubte nicht daran. Er glaubte an die Zaubermacht ſeines Willens und ſeines guten Sterns, der ihm noch nicht erloſchen war!
Man hatte in der Wand, an welcher die Kette be⸗ feſtigt war, mit rothen Ziegelſteinen ſeinen Namen ein⸗ gemanert, man hatte die Stelle, welche ſeine Füße betraten, mit einem großen Leichenſtein bezeichnet, auf dem ſich ein Todtenkopf und ſein Name„Trenck“ be⸗ fand. Unter dieſem Leichenſtein befand ſich ſeine Gruft; und wenn man dieſe feuchten Wände, von denen das Waſſer herniederſickerte, dieſe dunkle Höhle, welche ſechs Monate hindurch von keinem Strahl des Lichts erhellt
ward, betrachtete, ſo hätte man meinen ſollen, dieſer


