Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Sie hatte niemals aufgehört an ihn zu denken, für ihn zu ſorgen, für ſeine Befreiung zu arbeiten. Sie hatte immer Mittel gefunden, ihn mit Geld, mit Hülfe, mit dienſtbereiten Freunden zu verſehen. Aber alles dies hatte doch nur dazu gedient, ſein Unglück noch zu vergrößern, die Mauern ſeines Kerkers noch zu verengen, und ſeine Ketten noch ſchwerer zu machen. — Denn der Verrath und der böſe Zufall hatten alle Fluchtverſuche vereitelt, und in einem Moment die mühevolle und traurige Arbeit langer Monate ver⸗ nichtet.

Durch Verrath des treuloſen Barons von Wein⸗ garten, welcher die Rolle des Unterhändlers zwiſchen Trenck und der Prinzeſſin übernommen, war der erſte, der ſicherſte Fluchtverſuch mißlungen. Sechs Monate lang hatte Trenck mit raſtloſer Mühe, mit unerhörter Anſtrengung an einem unterirdiſchen Gange gearbeitet, der zu ſeiner Befreiung führen ſollte. Alles war vor⸗ bereitet und geordnet. Der treue Grenadier Gefhardt, den Prinzeſſin Amalie für Trenck gewonnen, hatte ihn mit den nöthigen Geräthſchaften verſehen, und ihm heimlich durch das Gitter ſeines Kerkers ſtärkende Speiſen zugeworfen, damit er ſich kräftige zu ſeiner rieſigen Arbeit. Es fehlte nun nichts mehr, als Geld, um einen Kahn zu miethen, der, wenn er ſeinen Kerker verlaſſen, ihn über die Elbe ſetze, Geld, um dann ſchleunig und raſch ſeine Flucht fortſetzen zu können! Gefhardt hatte es übernommen den Brief, in welchem Trenck die Prinzeſſin Amalie um die Mittel zu ſeiner Flucht bat, zu beſorgen. Er hatte dieſen ſeltſamen Brief, deſſen Papier ein Stückchen Leinwand von Trencks zerriſſenem Betttuch, deſſen Dinte Blut aus Trencks Adern war, durch ſeine Geliebte, die Jüdin— Rebecka, nach Berlin und an Weingarten geſandt. Und