träge herniederrieſelnde Waſſertropfen der Vergänglich⸗ keit nur ganz langſam und ſchläfrig den harten Stein des Lebens aushöhlt, um ihn zu einem Grabe um⸗ zuſchaffen für dieſes zeit⸗ und exiſtenzloſe Weſen, wel⸗ ches kaum mehr den Muth hat, ſich Menſch zu nennen.
Zwei Jahre des vergeblichen Harrens, des ver⸗ geblichen Hoffens, der immer ſich erneuernden Täu⸗ ſchung, der ſtets vereitelten Arbeit. Das iſt die Exiſtenz, welche Trenck gehabt hat, ſeit er zuerſt die Thore der Citadelle Magdeburg durchſchritt, und als Gefangener in dieſelbe einregiſtrirt ward!
Er hatte ſeitdem viel bittere Enttäuſchungen, viel geheimes Leid erduldet. Er hatte die Menſchennatur in ihrer ganzen Bosheit und Gemeinheit, in ihrer Geldgier und Beſtechlichkeit, aber auch in ihrer Größe und Erhabenheit, in ihrer Güte und Treue kennen gelernt.— Es hatte unter den Feſtungs⸗Commandanten und Officieren, die ihn zu beaufſichtigen gehabt, grau⸗ ſame und verhärtete Herzen gegeben, welche ſich heim⸗ lich ergötzten an ſeinen Qualen und glaubten, ihrem König, deſſen perſönliche Feindſchaft gegen Trenck man nur zu wohl kannte, wohlgefällig zu ſein, wenn ſie den wehrloſen Gefangenen mit raffinirter Grauſamkeit be⸗ handelten, aber er hatte auch wieder unter ihnen mit⸗ leidsvolle, warme Menſchenſeelen gefunden, die ſeines Unglücks ſich erbarmten, und gern bereit waren, ihm heimlich einige Erleichterungen ſeines traurigen Schick⸗ ſals zu verſchaffen. Und dann: niemals war die Nacht ſeines Kerkers ganz finſter und undurchdringlich ge⸗ weſen, denn immer hatte ein Stern der Hoffnung, der Liebe und der Treue ſie durchleuchtet. Dieſer Stern, der ihn an die ſchönſten und heiligſten Erinnerungen ſeiner Jugend, ſeiner Freiheit, ſeines ganzen Lebens geemahnte, dieſer Stern hieß Amalie! 4


