Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſprachen von Selbſtmord. Sie habe ſich im großen See unweit vom Dorfe ertränkt, ſagten ſie, aus Kum⸗ mer über ihres Bräutigams Abreiſe.— Der Herr Pfarrer eiferte ſehr heftig dagegen, als die Tante aber kam, um Anna Sophieens Hinterlaſſenſchaft in Beſitz zu nehmen, da mußte er wohl das Teſtament zum Vorſchein bringen, welches Anna Sophie ihm gegeben, und welches den alten Schäfer Buſchmann zu ihrem Erben einſetzte.—

Und jetzt zweifelte Niemand mehr, daß Anna So⸗ phie Detzloff ſich ſelber den Tod gegeben. Sie war und blieb verſchwunden, und Jedermann beklagte den armen Karl Heinrich, der ſeitdem immer ſo ſtill und traurig war, und ſeine frühere Heiterkeit ganz verloren zu haben ſchien aus Gram um ſeine Braut, die ſchöne Anna Sophie Detzloff!

V. Der gefangene.

Zwei Jahre waren vergangen, ſeit Friedrich von Trenck in der Feſtung von Magdeburg ſchmachtete. Zwei Jahre! Was iſt das für den, welcher arbeitet, lebt, ringt und kimpft! Eine kurze Spanne Zeit, vorüberflatternd mit raſch beflügelten Schwingen, und in der Erinnerung ſich zuſammenfaſſend zu wenigen bedeutſamen Momenten!

Zwei Jahre! Was iſt das für den Gefangenen? Eine graue, undurchdringliche Ewigkeit, in welcher der