Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Acht, daß Dich Niemand morgen den Tag über in meiner Hütte ſieht. Es wird Niemand morgen dort⸗ hin kommen, denn ich hab' geſagt, daß ich auf einen Tag über Land gehe zu meiner Tante. Ich habe Dir Eſſen bereitet für den ganzen Tag. Der Tiſch iſt für Dich gedeckt, und oben in meiner Kammer findeſt Du ſchöne Bücher, um darin zu leſen. Einen Tag wirſt Du's wohl aushalten und morgen Nacht biſt Du erlöſt. Leb' alſo wohl, Karl Heinrich.

Anna Sophie, geh' nicht fort, bat er weinend und zitternd. Laß mich lieber ſelbſt gehen. Ich werde mein Herz zwingen, muthig zu ſein, ich werde ſelber gehen. Bleibe Du hier!

Es iſt zu ſpät, ſagte ſie, und Du kannſt es auch nicht, Karl Heinrich. Dir graut ſchon vor dem finſtern Wald, und Du bedenkſt nicht, daß das, was hinterm Walde kommt, noch viel ſchlimmer iſt. Laß es jetzt genug ſein, Karl Heinrich. Der Abſchied iſt genom⸗ men, und es iſt vorbei! Küſſe den Vater von mir, und zuweilen, wenn Ihr Abends vor der Hausthür auf der Bank ſitzt, dann erinnere ihn an mich.

Ich werd's thun, Anna Sopie, flüſterte Karl Heinrich. 6

Aber Anna Sophie achtete nicht darauf. Sie hatte ſich abgewandt und ſchritt rüſtig die Straße dahin.

Der Mond ſah Alles! Er ſah die Thränen, welche ſich langſam aus Anna's Augen ſtahlen, und ihr ſelber unbewußt über ihre Wangen niederrollten, während ſie mit haſtigem Schritt der Heimath den Rücken wandte, und einem Leben voll Gefahr, Entbehrung und Noth entgegenſchritt.

Der Mond ſah Alles! Er ſah Karl Heinrich, welcher an die Thür ihres Hauſes gelehnt, mit weit