Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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in welchem ſich der Anfang von Anna Sophieens Zu⸗ kunft, ihre erſte Männerkleidung befand.

Eine halbe Stunde ſpäter, nachdem Karl Heinrich in das Schulhaus eingetreten war, öffnete ſich die Thür deſſelben wieder, und eine hohe, ſchlanke Män⸗ nergeſtalt trat heraus, eine zweite folgte ihr.

Der Mond ſah Alles. Er ſah, daß dieſer Mann, mit dem Hut auf dem Kopf, das weiße runde Bündel an dem Wanderſtab über die Schulter gehangen, daß dieſer Mann kein Anderer war, als Anna Sophie Detzloff, die Tochter des Schulmeiſters.

Der Mond ſah Alles. Er ſah auch, daß dieſer andere Mann, welcher hinter ihr ſtand, und deſſen Geſicht ſo bleich war, nicht weil ihm der Mond in's Angeſicht ſchien, ſondern weil er ſo traurig und voll bitteren Kummers war, daß dieſer Andere der feige Karl Heinrich war, der muthig genug war, ſeine Braut ſtatt ſeiner in den Krieg gehen zu laſſen!

Der Mond ſah, wie die Zwei jetzt zum letzten Mal ſich die Hände reichten und einander Lebewohl ſagten.

Laß mich noch ein Stück Wegs mit Dir gehen, Anna Sophie, ſagte Karl Heinrich. Die Nacht iſt ſo einſam und Du kommſt bald durch einen großen Wald. Da iſt es beſſer zu Zweien hindurch zu gehen, denn es iſt ſo finſter und ſchauerlich da. Laß mich bis durch den Wald mit Dir gehen, Anna Sophie.

Mir graut nicht vor dem Walde, Karl Heinrich, ſagte ſie ſanft. Die Sterne ſtehen über mir und be⸗ wachen mich, und der Mond wird mir leuchten, damit der Wald nicht gar ſo finſter iſt. Ich muß meinen Weg fortan immer allein gehen und vor nichts auf der Welt darf mir grauen, auch vor dem Tode nicht.

Bleibe alſo hier zurück, Karl Heinrich, und hab' wohl

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