Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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erſtickter Stimme, indem ſie einen heißen Kuß auf ſeine Lippen preßte.

Der alte Mann umarmte ſie zärtlich, und flüſterte in ihr Ohr: Weine jetzt nicht, Anna Sophie. Morgen Abend wollen wir zuſammen weinen!

Anna Sophie riß ſich heftig aus ſeinen Armen los. Gute Nacht, Vater, ſagte ſie, und dann, indem ſie forteilte, warf ſie das Haupt noch einmal zurück zu ihrem Bräutigam.

Wann gehſt Du fort nach Cleve, Karl Heinrich? fragte ſie.

Heute Abend zehn Uhr, ſagte er. Ich will die Nacht hindurch wandern, denn die Morgen ſind ſchon ſehr heiß, und morgen früh acht Uhr muß ich in Cleve ſein. Ich komme noch vor Deine Thür, Anna Sophie, und nehme den letzten Abſchied.

Es iſt gut, ſagte ſie kurz, indem ſie ſich abwandte und raſch von dannen eilte.—

Und endlich war es Nacht. Der Wächter im Dorfe hatte ſchon die zehnte Stunde verkündet, hinter den klei⸗ nen grünen Fenſterſcheiben der Bauerhütten waren längſt die Lichter erloſchen, und das geſchäftige Ge⸗ räuſch des Tages war der tiefſten Stille gewichen. Das ganze Dorf ruhte aus von der Arbeit des Tages. Aller Augen waren geſchloſſen; Niemand ſah, wie Karl Heinrich Buſchmann jetzt mit einem Paket unter dem Arm dahergeſchritten kam und den Weg nach dem einſam belegenen alten Schulhauſe einſchlug, Niemand ſah es, als der Mond, der da oben glänzend und hell am Himmel ſtand, und die Wege des einſamen Wan⸗ derers erleuchtete.—

Karl Heinrich hatte nicht nöthig anzuklopfen, Anna's Thür war heute zum erſtenmal für ihn nicht verſchloſ⸗ ſen. Er durfte ungehindert eintreten mit ſeinem Paket,