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Ich habe Dich geſtern den ganzen Tag nicht ge⸗ ſehen, Anna Sophie, ſagte der Greis, als ſie jetzt vor ihm ſtand, mein Herz iſt mir ganz ſchwer davon ge⸗ worden, und es war mir immer als fehlte mir Etwas.
Dafür will ich auch heute den ganzen Tag bei Dir bleiben, Vater, ſagte ſie, indem ſie ſich neben ihm niederſetzte und ihn zärtlich küßte. Ich bin heute nicht auf Arbeit gegangen, denn mir thut's Herz weh und da will ich ausruhen.
Dir thut's Herz weh, weil der Karl Heinrich fort muß, nicht? fragte der Greis mit liſtigem Augenzwin⸗ kern. Du möchteſt lieber, er bliebe daheim und würde nicht Soldat, nicht wahr?
Nein, Vater, das möchte ich nicht, rief ſie lebhaft. Möchteſt Du's?
Der alte Mann blickte ſinnend eine Zeitlang vor ſich hin. Dann ſagte er: Weh thut es mir allerdings, daß er geht, denn, ſiehſt Du, Anna Sophie, er war das letzte Licht aus meiner Jugendzeit, und wenn er fort iſt, wird's recht dunkel um mich ſein, und recht einſam und ſtill. Es that mir wohl, ſein hübſches, kräftiges Geſicht zu ſehen, ihn dann und wann Abends und Morgens ein luſtiges Liedchen ſingen zu hören, und wenn Ihr Beide Hand in Hand neben mir auf der Bank vor meiner Hüttenthür ſaßet, ſo war's mir immer als wär' ich ſelber wieder jung geworden, und ſäß' mit meiner lieben Alten da ſo zärtlich Hand in Hand, wie wir's zu thun pflegten, als wir Beide noch jung waren. Der Karl Heinrich wird alle meine ſchönen und beſten Erinnerungen mitnehmen, und ich verliere nicht bloß ihn allein, wenn er jetzt fortgeht,
Du möchteſt alſo lieber, daß er hier bliebe, fragte Anna dringend.
ſondern auch meine ganze Vergangenheit. 6 Vaters 4 . 4
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