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Sophie heute feiere und nicht zur Arbeit auf den Pacht⸗ hof gegangen ſei. Als ſie aber ihr nachſchauend ge⸗ wahrten, wie ſie den Weg zur Pfarrwohnung ein⸗ ſchlug, da verwunderten ſie ſich nicht mehr, denn ſie hatten Anna Sophie ſchon oft dahin gehen ſehen, um ſich für irgend einen Armen oder Kranken im Dorf den Beiſtand des Pfarrers zu erbitten.
Aber heute war Anna Sophie für ſich ſelber zu dem frommen, alten Pfarrer gegangen, um ihm zum letzten Male zu beichten. Er kannte ſie ſo lange ſie lebte. Er hatte ſie getauft und ihr zum erſtenmale das Abendmahl gegeben. Ihm hatte ſie immer ihre ge⸗ heimſten Gedanken gebeichtet, und er hatte ihr mit einem liebevollen Lächeln für das, was ſie ihre Sünden nannte, Abſolution ertheilt. Von ihm durfte ſie nicht fürchten, daß er das heilige Geheimniß der Beichte verrathen würde, und vor ihm ſchüttete ſie daher ſon⸗ der Rückhalt ihr ganzes Herz aus.— Der alte Pfar⸗ rer war tief bewegt über das, was er vernahm, und indem er ſie ſegnete, entfielen ſeinen Augen Thränen, welche Anna, als ſie auf ihre Hand niederträufelten, andächtig fortküßte.
Dann, nachdem Anna Sophie einen langen und gerührten Abſchied genommen von dem alten Pfarrer und die Spur der Thränen aus ihren Augen ver⸗ wiſcht hatte, verließ fie die Pfarrwohnung und begab ſich zu dem alten Vater Buſchmann, der heute ſeine Schafe auf der Wieſe am Rande des Waldes hütete. Er ſaß zur Seite des kleinen Fußpfades, auf derſelben Stelle, wo Anna Sophie geſtern mit ſeinem Sohn geſeſſen, und wo über das Schickſal ihres ganzen Le⸗ bens entſchieden worden war.— Wie der Greis ſie kommen ſah, winkte er ihr mit der Hand und nickte ihr freundlich den Willkommensgruß entgegen.


