Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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gehen wolle, wüßte ſie gar nichts mehr damit anzu⸗ fangen.— Dann vertheilte ſie ihr bischen Hab' und Gut und beſtimmte für alle ihre Freundinnen irgend ein kleines Andenken, ein Tuch, ein Band ihres Sonn⸗ tagsſtaates. Ihre Kleider vertheilte ſie unter die Mütter des Dorfes, ihr Haus aber, mit Allem was darin war, vermachte ſie dem alten Vater Buſchmann, und bat ihn wenigſtens im Sommer immer darin zu wohnen..

Dann, nachdem ſie ſo ihr Haus beſtellt hatte, legte ſie ſich ruhig auf ihr Lager hin, um nach ſo vielen Anſtrengungen und Kämpfen zu ruhen und zu ſchlafen. — Im Traum war es ihr, als ſähe ſie ihre Aeltern, welche ihr zunickten und ſie küßten und ſegneten!

Geſtärkt und erhoben von dieſem Traum erwachte Anna Sophie am nächſten Morgen und ſprang freudig von ihrem Lager empor. Sie wußte nun, daß das, was ſie vorhabe, recht und gut ſei, denn ſonſt würde ihr Vater und ihre Mutter nicht mit ihr zufrieden ge⸗ weſen und ihr nicht erſchienen ſein.— So ging ſie mit frohem Muth an die Geſchäfte des Tages, welcher der letzte ſein ſollte, den ſie in der Heimath verlebte. — Zuerſt ordnete ſie ihre eigenen kleinen häuslichen Angelegenheiten, packte ihre wenige Leivwäſche zu einem Bündelchen zuſammen, und ſäuberte und putzte dann das ganze Haus, daß es glänzend und ſchmuck aus⸗ ſah, wie zu einem Feſt.— Dann blickte ſie ſich ſelber ſorgfältig an, wie gewöhnlich, und ihr Teſtament zu⸗ ſammenfaltend und in ihren Buſen ſteckend, verließ ſie

ihr Haus.— Mit heiterem und ruhigem Angeſicht wanderte ſie die Straße durch das Dorf dahin, und die Frauen, welche ſie ſo eilig und ſchweigſam dahin⸗ gehen ſahen, fragten ſich verwundert untereinander, wie es wohl kommen möge, daß die fleißige Anna