— 43—
Du wirſt es da draußen im Kriege nicht vergeſſen? Du wirſt wiederkommen und mich heirathen?
Wie kann ich wiſſen, ob ich wiederkomme? ſagte ſie ausweichend. Der Tod geht immer hinter dem Soldaten her, und auf dem Schlachtfeld hält er ſeine Ernte. Vom Heirathen läßt ſich erſt reden, wenn der Krieg zu Ende iſt! Aber jetzt, Karl Heinrich, iſt's Zeit ſchlafen zu gehen. Du haſt morgen viel zu thun und ich auch. Wir müſſen Beide unſer Haus beſtellen, Du zum Schein, und damit Niemand Etwas merkt, ich im vollen Ernſt. Gute Nacht alſo, Karl Heinrich!
Nicht einmal einen Kuß giebſt Du mir zur guten Nacht, Anna Sophie? fragte er traurig, als ſie ſeinem Andrängen faſt unwillig auswich.
Ein Soldat küßt keinen Mann, ſagte ſie mit einem mühſamen Lächeln, es müßte denn ein Kamerad ſein,
der ſterbend neben ihm auf dem Schlachtfeld liegt. Den mag er küſſen, aber keinen anderen. Gute Nacht, Kark Heinrich!——
Und Anna trat in ihr Haus zurück, deſſen Thür ſie hinter ſich verriegelte. Dann zündete ſie ſich Licht an und ſchritt hinauf in die kleine Dachkammer, in das„Fleckchen vom verlorenen Paradieſe“.
Da ſetzte ſie ſich nieder an dem Schreibtiſch ihres Nates, und einen großen Bogen Papier vor ſich aus⸗ breitend, begann ſie zu ſchreiben.
Es war ihr Teſtament, welches ſie aufſetzte, und ſie that es mit feſter, ſicherer Hand. Zuerſt nahm ſie darin Abſchied von allen Leuten im Dorf, und bat ſie um Verzeihung, daß ſie ihnen Kummer machen müſſſe. Aber ſie könne es nicht mehr aushalten in der Hütte, wo ſie ohne ihre lieben Eltern ſich ſo einſam und ver⸗
laſſen fühle, ſchrieb ſie. Das ganze Leben ſei ihr zum Ueberdruß, und da nun ihr Bräutigam auch zur Armee


