Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Haus, welches er mit ſeinem Vater bewohnte, zu gehen, 5 wanderte er zuerſt nach dem alten Schulhaus, wo

ſeine Braut wohnte.

Sie ſtand ſchon vor der Thür und erwartete ihn.—

Nun? fragte ſie haſtig. Wie geht es?

Es ging Alles gut, ſagte er traurig. Ich muß

Soldat werden. Da iſt der Rekrutenſchein.

Er hielt ihn ihr entgegen, ſie griff darnach mit

haſtiger Hand, und verbarg ihn in ihrem Buſen. Jetzt, ſagte ſie, haſt Du weiter nichts mehr zu thun, als mir morgen Abend einen vollſtändigen Anzug von Dir zu bringen. 3 Meinen Sonntagsſtaat, Anna Sophie. Er iſt noch ganz neu, ich wollte ihn auf der Kirmeß zuerſt tragen. Ich werd' ihn Dir nicht ruiniren, ſagte ſie lächelnd. Du weißt die Adreſſe des Kaufmanns in Cleve, wo ich das Packet mit Deinen Kleidern hintragen will. Es ſind ehrliche Leute und ſie werden Dir nichts neh⸗

men. Nächſten Sonntag gehſt Du zur Stadt und holſt 3

Dir Alles wieder. † Du willſt den Anzug nicht einmal zum Andenken

an mich behalten? fragte Karl Heinrich traurig. Das Andenken liegt nicht im Rock, es liegt im Herzen, Karl Heinrich, und es wird beſſer aushalten, wie ein Rock, der abgetragen und ſchlecht wird. Auch iſts ja gar nicht möglich, daß ich Dich vergeſſen könnte, Karl Heinrich, denn ich werde ja Deinen Na⸗

men tragen. 8 Du wirſt ihn von nun an Dein ganzes Leben tra⸗ gen, Anna, denn wenn Du heimkehrſt, dann hältſt Du Dein Wort und wirſt meine Frau. Du haſt es

mir ja verſprochen, Anna Sophie, und nicht wahr,