Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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Keiner der Ochſe ſein will, darum iſt es ja nur, daß Jeder tapfer einhaut und ſich ſeiner Haut wehrt.

Es wäre traurig, Karl Heinrich, wenn es ſo wäre, wie Du ſagſt, rief Anna Sophie kopfſchüttelnd. Aber es iſt nicht ſo. Der tapfere Soldat denkt nicht, nein gar nicht, an ſein eigen bischen Leben, ſondern er denkt an ſein Vaterland, für das er freudig ſein Blut vergießen will, an den König, dem er Treue geſchworen, an den Ruhm, den er ſich ſelber er⸗ kämpfen will!

Karl Heinrich ſchaute verwundert in Anna's erreg⸗ tes und erglühendes Angeſicht. Woher weißt Du denn das Alles? fragte er. Wer hat Dir denn geſagt, daß der Soldat ſo denkt? 3

Ich hab's in meinen Büchern geleſen, Karl Hein⸗ rich. In meiner Poſtille ſteht die Geſchichte von einem Manne, der heißt Leonidas. Der vertheidigte mit ſeinen achthundert Kriegern einen Engpaß gegen viel tauſend Feinde. Er wußte wohl, daß er nicht ſiegen konnte, und alle ſeine Soldaten wußten es auch, aber ſie wollten lieber den Heldentod ſterben für's Vater⸗ land, als feige und demüthig ihre Waffen niederlegen und um Gnade bitten, und ſo ſtarben ſie Mann für Mann und thaten's freudig und mit Jauchzen!

Nun, da muß ich ſagen, daß das recht dumme Narren waren, rief Karl Heinrich empört. Ich an ihrer Stelle hätt's nicht gethan, ſondern gleich um Par⸗ don gebeten.

Ich glaub's, daß Du das gethan hätteſt, Karl Hein⸗ rich, ſagte Anna ſinnend. Und darüber habe ich die ganze Nacht mich beſonnen, ob Du jetzt wohl gern und mit Freuden in den Krieg ziehſt?

Ich, Gott bewahre, ich thu's nicht mit Freuden, und ich thu's gar nicht. Ich will heute früh noch zum