laden. Nur das wußte ſie, daß nicht die Sehnſucht, mit dem Geliebten eine ungeſtörte Stunde allein zu ſein, ſie dazu getrieben hatte. Anna Sophie kannte dieſe Sehnſucht nicht, ihr Herz war zu keuſch, ihre Liebe zu kalt dazu. Sie hatte nur gefühlt, daß ſie Karl Heinrich etwas zu ſagen habe. Was es ſei, das wußte ſie geſtern Abend ſelber noch nicht!
Aber heute Morgen wußte ſie es, heute Morgen war ihr ganz klar, was ſie wollte und was ſie zu ſa⸗
gen hatte, und darum fühlte ſie ſich auch jetzt ſo freudig
und leicht, darum war eine ſo begeiſterte Entſchloſſen⸗ heit in ihr, ein ſo muthiges Wollen! Es war ihr, als habe ihre Seele Schwingen bekommen, als ſinge eine
Lerche in ihr helle Jubellieder, und wie getragen von
Begeiſterung, kaum ihre Füße fühlend, verließ ſie, ihr Haus und eilte den Pfad durch die Wieſe dahin, der
zum Walde führte.
Am Waldesrand ſtand Karl Heinrich, und wie er ſeine Braut ſo ſtolz und lächelnd, ſo ſtrahlend von Schönheit und Jugendmuth den Pfad daher kommen ſah, ſchien es ihm, ſie ſei größer und ſchöner geworden. Und wie ſie ihren Bräutigam, welcher ihr lächelnd jetzt entgegenſchritt, anſah, ſchien es ihr, er ſei kleiner und weniger hübſch geworden.
Als ſie ſich gegenüberſtanden und ſich die Hände reichten, ſchauten ſie ſich Beide faſt verwundert an. Beide kamen ſich fremd und verändert vor.
Anna Sophie, ſagte Karl Heinrich endlich traurig, Du haſt etwas gegen mich.
Ja, ſagte ſie, ja, ich habe etwas gegen Dich. Sonſt würde ich Dich nicht hierher beſtellt haben, wo uns Niemand hören kann. Wär's was Gutes und Liebes, was ich Dir zu ſagen habe, ſo könnte die


