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als ſähe ſie die Brüder ihres Bräutigams ſich von dem Schlachtfelde und aus der Reihe der Todten er⸗ heben, und ihr winken mit blutenden Händen. Sie meinte zu hören, wie ſie mit tonloſer Stimme zu ihr ſagten:„räche Du unſeren Tod, da unſer Bruder zu feig iſt, es zu thun.“
Und bei dieſem Gedanken richtete ſie ſich empor, und ſetzte ſich aufrecht auf ihrem Lager hin. Er iſt feig, murmelte ſie, ich habe ihn erblaſſen und zittern ſehen. Da fühlte ich es wie ein kaltes Schwert durch mein Herz gehen, und ein ſcharfer Schnitt trennte das von meinem Herzen ab, was ihn geliebt hatte. Oh, er iſt feig, und ſtatt der Schlacht entgegen zu jubeln, zittert er vor ihr!
Sie ſchlug ihre Hände vor ihr Angeſicht, als wolle ſie die Nacht ſelber nicht die Röthe der Scham ſehen laſſen, welche auf ihren Wangen brannte. So ſaß ſie lange Zeit, ganz bewegungslos, ganz ſtarr, lauſchend auf die Stimmen, die in ihrem Innern erklangen, und ſie mit wunderbaren Tönen und Zuflüſterungen bezauberten und zu ſich lockten. So ſaß ſie ſtunden⸗ lang, bis endlich der Morgen heraufdämmerte, bis die Sonne ihre erſten Strahlen durch das offen gelaſſene Fenſter ihrer Kammer zu ihr ſandte, und ſie weckte aus ihren halbwachen Träumen und Hallucinationen.
Anna Sophie ſchrack zuſammen und ſprang von ihrem Lager herab. Mit zitternder Eile kleidete ſie ſich an. Die Sonne war ſchon aufgegangen und Karl Heinrich erwartete ſie gewiß ſchon am Waldesrand, wohin ſie ihn geſtern Abend noch beſchieden hatte.— Als ſie ihm geſtern beim Abſchied leiſe zuflüſterte, ſie morgen früh bei Sonnenaufgang dort zu erwarten, da wußte ſie ſelber noch nicht, was ſie ihm eigentlich zu ſagen hatte, weshalb ſie ihn zum Stelldichein ge⸗


