Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24

und jetzt erſt floſſen die Thränen, rollenden Perlen gleich, über ſeine Wangen hin. An ſeiner Seite kniete ſein Sohn und Anna Sophie, und die Menge, über⸗ wältigt von Rührung und Theilnahme, war ihrem Beiſpiel gefolgt, und flüſterte, auf die Knieen nieder⸗ geſunken, die frommen Sterbegebete ihrer Kirche.

Plötzlich ward dieſe feierliche Stille von lautem Trommelwirbel und dem Getrabe von Pferden unter⸗ brochen. Eine Compagnie Infanterie, den Trommler und Pfeiffer an der Spitze, kam die große Straße des Dorfes heraufmarſchirt, und näherte ſich den Dorf⸗ bewohnern, welche ſich haſtig von ihren Knieen erhoben hatten, und mit geſpannter Erwartung dem anrückenden Trupp entgegenſchauten.

Es ſind Preußen, ſagte der Schulze des Dorfes, welcher ſich auch unter der Menge befand.

Es ſind Preußen, wiederholte die Menge mit er⸗ heitertem Geſicht, und die Männer, voran der Schulze, gingen ihnen entgegen und geleiteten ſie bis in die Mitte des Platzes, wo der Zug Halt machte.

Dann näherte ſich der Dorfſchulze dem Officier, und ſich in ſeiner Würde kundgebend, fragte er nach dem Begehr deſſelben.

Der Officier gab dem Trommler ein Zeichen, und dieſer ließ auf's Neue einen kräftigen Wirbel ertönen. Dann zog er eine Rolle Papier hervor und entfal⸗ tete ſie.

Die Dorfleute drängten ſich in athemloſer Span⸗ nung herzu. Dicht neben dem Ofſicier ſtand der alte Schäfer, und neben ihm ſein Sohn und Anna Sophie, die bleich und athemlos auf den Officier hinſtarrte, der jetzt zu leſen begann.

Es war eine Aufforderung an die militairpflichtige, unverheirathete Mannſchaft des Dorfes, ſich zu den