Fahnen des Königs zu ſtellen und ihren Platz einzu⸗ nehmen in den Reihen derer, die für das Vaterland kämpften. Die Aerndte ſei beendet, hieß es in dem Aufruf, und der König könne jetzt verlangen, daß die
ſtreitbare Mannſchaft aller Städte und Dörfer zu ihm ſtoße, um ſeine Gefahren und ſeine Siege mit ihm zu theilen.— Der Officier beauftragte daher den Dorf⸗ ſchulzen, ihm eine Liſte aller derjenigen Männer, die im Dorfe unverheirathet ſeien, morgen in der Frühe zu entwerfen, damit er dieſelben aufrufen und zur wei⸗ teren Entſcheidung und Beſtimmung nach Cleve führen
könne.
Ein dumpfes Gemurmel lief durch die Reihen der ⸗Zuhörer, als der Officier geendet. Die freudige und begeiſterte Aufregung von vorher war jetzt einer allgemeinen Entmuthigung gewichen. Jedermann war mit Begeiſterung bereit geweſen, den gewonnenen Sieg mitzufeiern, aber Siege erkämpfen zu ſollen, das ſchien eine weniger begeiſternde Zumuthung.
Der alte Schäfer ſchaute mit zürnenden Blicken
umher im Kreiſe der Verzagten, und ein Ausdruck tiefer Verachtung flog einen Moment durch ſeine ehr⸗ würdigen Züge. Dann wandte er ſich zu dem Offi⸗
3 cier hin, und mit erhobener Stimme ſagte er: ich hatte ſechs Söhne bei der Armee. Zwei von ihnen
ſind gefallen in der Schlacht von Lowoſitz, und mein
aarmes altes Herz weint noch um die Todten, aber es
iſt doch auch wieder freudevoll, daß es dem König,
welcher ruft, noch ein neues Opfer bringen kann. Ich
habe noch einen Sohn; er iſt unverheirathet und hat
für Niemand zu ſorgen, nicht für Weib und Kind,
4 nicht für ſeinen alten Vater, der, Gott ſei Dank, noch
3 Kraft genug in den Knochen hat, um ſich ſelber zu er⸗
nähren. Gehe alſo hin, mein Sohn Karl Heinrich,


