großen Schlachttages bei Lowoſitz, und Anna Sophie las ſie mit immer höher erglühenden Wangen, mit immer athemloſerer Haſt. Und wie ſie jetzt las von dem anfänglichen Unterliegen der Preußen, von dem weit überlegenen Heer des öſterreichiſchen Generals Brown, deſſen mächtige Feuerſchlünde Tod und Ver⸗ derben in die Reihen der preußiſchen Krieger getragen, da ſchluchzten und wehklagten die Frauen leiſe, und ſelbſt die Männer unterdrückten nur mühſam ihre Seufzer. Aber ſie athmeten ein wenig auf, als ſie hörten, wie der König, eine ganz neue Taktik ein⸗ ſchlagend, zum Schutz ſeiner geſchwächten Infanterie in die, in der Mitte derſelben entſtandene Lücke einen Theil ſeiner Cavalerie einrücken ließ.*)
Doch ihr Muth ſank bald wieder, wie der Bericht erzählte, daß der anfängliche Vortheil ſich bald wieder „verlor, daß der Feind, in immer mächtigeren Colonnen heranrückend, faſt ſchon begann die Preußen zurückzu⸗ drängen, daß der linke Flügel der Infanterie, welchen der Herzog von Bevern commandirte, und der ſechs Stunden ununterbrochen gefeuert hatte, anfing Mangel an Munition zu haben, während der öſterreichiſche Ge⸗ neral Wied, der den Poſten von Lowoſitz vertheidigte, mit ſeiner erhaltenen Verſtärkung das Feuer deſto leb⸗ hafter unterhielt, und die verzagten preußiſchen Krieger laut wehklagten und jammerten nach Pulver und Pa⸗ tronen!— 3
Anna Sophie hielt inne, ihr Herz klopfte ſo laut vor Angſt, daß es ihr die Stimme verſetzte, ſie lehnte ihr Haupt zurück an den Baum, und ſchloß die Augen vor Grauen und Entſetzen. Die Greiſe und Mütter⸗ chen, die zu ihren Füßen ſaßen, beteten und weinten —
*) Charakteriſtik des ſiebenjährigen Krieges. Th. I. S. 52.
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