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wegung. Der Herr Verwalter hat mich hergeſchickt, der Gemeinde die Nachrichten vorzuleſen, ſagte ſie, und ich werd's thun!
Sagt nur, Anna, rief ein Anderer, hat er die Ruſſen geſchlagen, oder die verſchmitzten Sachſen? Ich wünſchte, er hätte ſie Alle unter ſeine Füße ge⸗ treten. 3
Er wird's thun, wenn er's noch nicht gethan hat, rief der alte Buſchmann, Kinder, glaubt doch nur, unſer König beſiegt alle ſeine Feinde, denn er iſt ein Held, und lauter tapfere Kerle fechten hinter ihm. Denkt doch nur an die dreißig friſche Burſche, die unſer Dorf allein ihm geſtellt hat.
Lies, Anna Sophie, lies! rief der Chor der Neu⸗ gierigen, und Anna Sophie, bereitwillig ihrem Rufen nachgebend, trat unter die große Linde und ſchwang ſich empor auf die hölzerne Bank, welche den Baum umfaßte.
Vater Buſchmann ſetzte ſich zu ihren Füßen auf die Bank, einige Mütter und Greiſe folgten ſeinem Beiſpiel, während die jüngeren Männer und Frauen in dichtgedrängter Gruppe ſich vor ihnen aufſtellten, und begierig zu dem jungen Mädchen emporſchauten, das da oben ſtand, und deren ſchönes und kühnes An⸗ geſicht vom glühenden Abendroth wie in Verklärung angeleuchtet ward. Die kleinen Buben, welche neu⸗ gierig den Aeltern gefolgt waren, beluſtigten ſich da⸗ mit, auf der äußerſten Grenze des Platzes Purzelbäume
zu ſchlagen, und von dem unfern belegenen Ententeich
ertönte das fröhliche Gequake der Gänſe und Enten herüber. Aber jetzt erhob Anna Sophie ihre Stimme, und mit friſchem, fröhlichem Ton begann ſie zu leſen. Es war eine blühende und begeiſternde Schilderung des


