Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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im Licht der untergehenden Sonne, und flackerten wie

tanzende Irrlichter von dannen. In der Ferne ver⸗

ſtummte das Jubeln und Lachen der Schnitter, und

die Ruhe des Abends breitete ſich lächelnd und fried⸗ voll über der ganzen Gegend aus.

Der alte Hirte faltete fromm ſeine Hände und ge⸗ dachte im ſtillen Gebet der fernen Söhne, die er Gott empfahl. Dann ſtand er auf von ſeinem Binſenſtuhl, gab mit einem gellenden Pfiff ſeinem Phylax das Zei⸗ chen, daß er die Heerde heimwärts treiben ſolle in das Dorf auf den Pachthof, und ſchlug dann ſelber mit kräftigem Schritt den Weg dahin ein. Phylax mit ſeinen Schafen hatte ihn bald eingeholt, und da er vielleicht fand, daß ſein Herr heute eiliger als gewöhn⸗ lich vorwärtsſchritt, duldete er auch nicht das kleinſte Zögern der Schafe, ſondern trieb ſie mit zürnendem Gebell zu haſtigem Laufen an.

So kamen ſie, nachdem hier und dort die Schafe

3 vor den Häuſern der Bauern, deren Eigenthum ſie waren, ſtehen geblieben, und von der großen Heerde des Pachters ſich getrennt hatten, auf den Pachthof an, und Phylax trieb mit geſchäftiger Eile die Schafe in die weit geöffneten Thüren des großen Schafſtalls, aus deſſen Innern man das fröhliche und zitternde Geblöke der kleinen Lämmer vernahm, welche in ſehn⸗ ſuchtsvollem Hunger der Ankunft ihrer Mutter entge⸗

5 genſahen. 8

Vater Buſchmann erwartete mit Ungeduld den

Moment, wo das letzte der Schafe die Thür des Stalles

paſſirt hatte, dann ſchritt er haſtig vorwärts dem gro⸗

ßen Pachthauſe zu, das dort drüben, jenſeits dieſes von

großen maſſiven Scheunen zu beiden Seiten begrenzten

Hofes, ſich erhob.

Eben öffnete ſich die Thür des Hauſes, und Anna