Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 3. Band (1857)
Entstehung
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und mit ihnen geplaudert, und mit ihnen ſich begei⸗ ſtert für den großen und heldenmüthigen König, der ſo unverzagt und trotzig der Menge ſeiner Feinde ent⸗ gegengezegen war, und keine anderen Bundesgenoſſen hatte, als ſein Recht, ſeinen Muth und ſein gutes Schwert. In der begeiſterten Liebe für den großen König waren ſich ihre Herzen zuerſt begegnet, und daß Karl Heinrich bei Friedrichs Armee ſechs Brüder be⸗ ſaß, das hatte in Annens Augen ihn ſelber zu einem Helden gemacht, und ſie ſah ihn immer das Haupt umwunden von den Lorbeern, welche ſeine Brüder auf dem Schlachtfelde gewinnen würden. Sie liebte ihn wegen ſeiner Brüder, und weil ſie ſtolz darauf war, die Braut eines Burſchen zu ſein, dem Jeder⸗ mann mit den Augen folgte, wenn er vorüberging, in⸗ dem man leiſe flüſterte:es iſt des alten Mannes liebſtes Kind. Gott erhalte ihn für ſeinen Vater, deſſen ein⸗ zige Stütze er iſt!

An dieſes Alles dachte der alte Schäfer jetzt, wie

er da inmitten ſeiner Schafe auf der grünen Wieſen⸗

fläche ſaß, und hinüberſchaute zu dem Kornfeld des Pachters, wo ſein Sohn und deſſen Braut mit den anderen Knechten und Mägden arbeiteten.

Gott ſei Dank, murmelte der alte Mann, das iſt die letzte Fuhre, die ſie aufladen, und bald wird Anna Sophie bei mir ſein. Ich habe den Poſtboten vorher ſchon in's Dorf gehen ſehen, und jetzt wird der Herr Pachter die Zeitungen ſchon geleſen haben, und er wird ſie Annen geben, damit ſie mir daraus vorleſe.

Und endlich war dieſer glückliche Moment gekom⸗ men, endlich bewegte ſich der ſchwerbeladene Ernte⸗ wagen dem Gehöft des Pachters zu, und die Knechte und Mägde zogen jubelnd hinterher. Die Sicheln,

welche ſie über ihre Schultern geſchlagen hatten, blitzten

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