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frohmuthigen Werbern immer nur eine faſt zürnende, verneinende Antwort.
Wie es gekommen, daß der jüngſte Sohn des alten Schäfer Buſchmann endlich ihr Herz gewonnen, und das Verſprechen ihrer Lieve erobert hatte, das wußte ſie ſelbſt nicht. Freilich war er der ſchönſte und ſtatt⸗ lichſte Burſche im Dorf, aber es war nicht deshald, daß ſie ihn liebte, denn ſo hatte ſie ihn ſchon lange gekannt, und doch war er ihr ganz gleichgültig geweſen, und erſt ſeit einigen Wochen liebte ſie ihn. Weshalb und warum? Weil er ſie ſo zärtlich liebte, und ihr ge⸗ ſchworen hatte, er würde ſterben, wenn ſie ihn ver⸗ ſtieße? Das hatten ſchon manche der anderen Burſche auch gethan, und ihr Herz war ganz gleichgültig dabei geblieben, und dieſe Drohung hatte ſie gar nicht er⸗ ſchreckt. Was war es denn geweſen, was ihr ſtolzes und kaltes Herz gewonnen hatte? Der alte Schäfer, Karl Heinrichs Vater, war die Veranlaſſung geweſen, daß ſie ſich öfter ſahen und ſprachen. Zu ihm war ſie Abends, wenn ſie heimkehrte aus dem Pachthauſe, ſeit einigen Wochen immer gegangen, um ihm die Zei⸗ tungen und die fliegenden Blätter zu bringen, welche der gutherzige Pachter dem alten Manne immer ſandte, welcher ſechs Söhne bei der Armee des Königs hatte, und ſeinem Vaterlande ſechs Krieger geſtellt hatte.— Anna Sophie hatte, neben dem alten Manne im Graſe niederkauernd, ihm dieſe Zeitungen und Flugblätter immer vorgeleſen, und Beide hatten ſie dann über die⸗ ſen Krieg, welchen ihr König gegen ſeine übermüthigen Feinde begonnen, ſich ernſt unterhalten, und die ÜUr⸗ ſache deſſelben ſich erläutert und erklärt, und ſeine mög⸗ lichen Folgen berechnet und prophezeit.— Wenn dann Karl Heinrich, welcher gleich Annen auf dem Pachthof arbeitete, heimkehrte, ſo hatte er ſich zu ihnen geſellt,


