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Sophie, ein Zeitungspapier in der Hand haltend, trat heraus und ſchritt mit fröhlichem Winken gerade auf den alten Hirten zu.
Vater, ſagte ſie, da habe ich die Zeitungen, und wir ſind die erſten, welche ſie leſen. Der Pachter und die Frau Pachterin ſind über Land gefahren, und da hat mir der Verwalter erlaubt, daß wir ſie leſen. Und höre nur, Vater, er ſagt, er habe flüchtig hineingeſehen, und da habe ſo etwas geſtanden von einem Sieg der Preußen.
Des alten Buſchmanns Antlitz erglänzte vor Freude, und mit lebhafter Bewegung ſeine Hand auf Annens Arm legend, wollte er ſie mit ſich fortziehen. Komm, komm, mein Kind, ſagte er, laß uns in meine Hütte gehen. Da iſt es ſtill und heimlich, da wollen wir die Geſchichte von dem Siege unſeres Königs leſen!
Aber Anna Sophie ſchüttelte heftig ihr ſchönes Haupt. Nein, Vater, ſagte ſie, heute haben wir nicht das Recht, dieſe Zeitung für uns allein zu leſen. Die Siege des Königs gehören ſeinem Volke, gehören jedem ſeiner Unterthanen, und jedes Herz wird höher ſchla⸗ gen, wenn es von ihnen hört, und Jeder wird Gott danken, daß er die Waffen unſeres Königs geſegnet hat, und ihn nicht von der Ueberzahl ſeiner boshaften Feinde hat beſiegt werden laſſen. Wir haben nicht das Recht, mein Vater, unſeren Männern und Frauen dieſe Freude vorzuenthalten, das ganze Dorf muß daran Theil nehmen. Karl Heinrich iſt mit Erlaubniß des Verwalters ſchon in's Dorf gegangen, und ruft die Hausväter und Hausmütter zuſammen, daß ſie auf dem Rundplatz unter der großen Linde ſich vereinigen. Seht nur, auch die Knechte haben ſich beeilt ihre Pferde abzuſatteln und fertig zu machen, da kommen ſie ſchon aus den Ställen, um auch hinunter zu gehen zu dem


