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mernden Sternen, oder ſtrahlend im Glanz der Sonne, die den grünen Rhein in flüſſiges Silber verwandelte, und die ganze Natur verſchönte und belebte.
Dieſes„kleine Fleckchen gerettetes Paradies“ hatte ihr Vater ihr zurückgelaſſen, und dahin flüchtete ſich Anna Sophie, wenn die ſchwere Arbeit des Tages vollbracht war und ſie ausruhen durfte von ihren Mühen. Dort ſtand ſie Abends am Fenſter und ſchaute ſinnend und träumend hinaus in die allmälig ſich ver⸗ dunkelnde Landſchaft, dort ſaß ſie Morgens, und be⸗ grüßte die aufgehende Sonne, und las mit lauter Stimme, wie ſie es ſonſt bei ihrem Vater zu thun ge⸗ pflegt, zuerſt einen Morgenſegen. Dann griff ſie mit begieriger Hand nach einer der drei großen, abge⸗ griffenen Poſtillen, welche den Hauptreichthum der kleinen Bibliothek ausmachten, und die ſo wundervolle Darſtellungen und Geſchichten enthielten, nicht erfundene und erträumte Geſchichten, ſondern wirkliche Geſchich⸗ ten, wie ſie ſich hier und dort bei den Völkern begeben. Aus dieſen Büchern ſog Anna Sophie alle ihre Kennt⸗ niſſe, aus ihnen lernte ſie nicht bloß die großen Er⸗ eigniſſe der Weltgeſchichte, und die großen Erfindungen der Menſchen, ſondern auch viele nützliche Rathſchläge und Erfahrungen, auf das Landleben und den Um⸗ gang mit der Natur bezüglich, waren dort mitgetheilt, und manche weiſe Lehre, und manchen Troſt für ihr Gemüth verdankte ſie dieſen ehrwürdigen Poſtillen ih⸗ res Vaters. Von dem, was ſie geleſen, erzählte ſie in den Winterabenden den Mägden in der Spinnſtube, und bei dieſen Erzählungen flog der Faden des Flach⸗ ſes den Mägden noch einmal ſo raſch durch die Finger, und jede war flink und friſch bei der Arbeit, und keine hatte mit dem Schlaf zu kämpfen, und ließ die ermü⸗ deten Hände ſinken.— Den nützlichen Kenntniſſen


