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und dem weißen Leibchen darüber, welches Beides ſie ſich ſelbſt aus dem Brautſtaat ihrer Mutter angefer⸗ tigt, ſo hörte ſie wohl, wie die Burſche leiſe unter⸗ einander flitſterten, und von ihrer Schönheit und Lieb⸗ lichkeit ſprachen, und weil ſie dann beſchämt und errö⸗ thend die Augen niederſchlug, ſo ſah ſie nicht die höhniſch lächelnden Geſichter der übrigen Mädchen, welche wenigſtens ſtolz darauf waren, ſchöner gekleidet und reicherer Leute Kind zu ſein, als des armen Schulmeiſters Kind.—
Aber all dies ſtille beſcheidene Glück hatte der Tod bald auf eine unerbittliche Weiſe geſtört. In einem Jahr hatte er den Schulmeiſter Detzloff und ſein Weib aus dieſem kleinen Hauſe hinweggeführt, das jedem Andern eine elende Hütte, ihnen aber ein Paradies däuchte.— In einem Jahr war Anna Sophie gänz⸗ lich verwaiſt und vereinſamt auf der Welt geworden, und nachdem ſie den geliebten Todten den Zoll ihrer Thränen und ihres Kummers dargebracht, mußte ſie ſich wohl emporrichten, um, da der Tod ihr Alles zerſtört, und ihre Vergangenheit gebrochen hatte, ſich mit dem Leben einzurichten, und ſich ſelber eine neue Zukunft zu ſchaffen.
Die Dorfgemeinde, welche, wie das gemeinhin der Fall iſt, daß der Tod erſt empfinden läßt, wie viel der Lebende werth war, erſt jetzt der großen Vorzüge und Verdienſte des armen Schulmeiſters ſich bewußt ward, wollte jetzt wenigſtens an der Tochter vergelten, was ſie an dem Vater verabſäumt hatte. Man weiht ja Denen, welche man im Leben ſchonungslos gemiß⸗ handelt hat, ſo gern ein glänzendes Denkmal, und flicht Demjenigen im Tode gern Lorbeerkränze, dem man im Leben nur die Dornenkrone auf die blutende Stirn gedrückt.— Da der Schulmeiſter halb vor Ent⸗


