„ XV. Das gedemüthigte Säͤchſen.
Eine halbe Stunde ſpäter waren die Geſandten von Frankreich, Oeſterreich, Holland, Rußland und Schweden in dem Empfangsſaal der Königin ver⸗ ſammelt.
Die Königin ſtand in ihrer Mitte, bleich und zit⸗ ternd vor Zorn. Mit dem ganzen ſtolzen Pathos des Unglücks und der gedemüthigten Majeſtät ſchilderte ſie ihnen die widerfahrene Kränkung, und forderte ſie auf, ſofort an ihre Höfe zu ſchreiben, und die befreundeten Herrſcher um Beiſtand für das ſchwer bedrohte Chur⸗ fürſtenhaus anzuflehen. 3
Und indem Ihre Fürſten uns Hülfe ſenden gegen dieſen Uſurpator, rief ſie mit glühenden Augen, indem ſie mich vertheidigen, werden ſie ihre eigenen Rechte, ihre eigene Ehre vertheidigen. Denn meine Sache iſt jetzt die Sache aller Könige, und dieſe frevleriſche Hand, welche ſich wider mein Haupt erhob, hat ſich gegen die Kronen aller Fürſten erhoben.*) Der län⸗ derſüchtige Markgraf von Brandenburg, welcher ſich König von Preußen nennt, wird uns Alle vernichten, wenn wir ihm nicht zuvorzukommen wiſſen, und ihn vernichten. Ich meinestheils ſchwöre ihm einen ewi⸗ gen Widerſtand, eine ewige Feindſchaft! Möge ich in dieſem Kampfe untergehen, wenn nur meine Beleidi⸗
*) v. Archenholtz. Geſchichte des ſiebenjährigen Krieges. Th. I. Seite 12.
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