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Sie drängte die Thränen, welche in ihre Augen ſchoſſen, nicht mehr zurück, ſie unterdrückte nicht mehr die bangen Seufzer, welche ihre Bruſt beklemmten, ſie weinte und klagte, ſie bangte und zitterte, wie ein Weib. Als ſie aber Geräuſch im Vorzimmer vernahm, trocknete ſie ſchnell wieder ihre Thränen und legte die ſtolze Maske ihres Königthums wieder an.
Es war die Gräfin, welche zurückkehrte. Schwei⸗ gend und langſam durchſchritt ſie das Gemach. Ihr gelbes, farbloſes Antlitz hatte einen finſteren, zornigen Ausdruck, ein Zug wilden Spottes umſpielte ihre ſchmalen blaſſen Lippen.
Der König von Preußen, ſagte ſie dann mit leiſer, flüſternder Stimme, als ſie dicht vor der Königin ſtand, der König von Preußen verlangt, daß ſeinem Abge⸗ ſandten, dem Major von Wangenheim, die Schlüſſel zum churfürſtlichen Staatsarchiv ausgeliefert werden.
Die Königin ſtieß einen Schrei aus, und ſich von ihrem Sitz erhebend, richtete ſie ſich ſtolz und hoch empor.
Sagen Sie dem Executor des Markgrafen von Brandenburg, daß er dieſe Schlüſſel niemals bekom⸗ men wird, rief ſie mit gebieteriſcher Stimme.
Die Gräfin verbeugte ſich, und ging wieder hin⸗ aus. Er iſt fort, ſagte ſie dann, zu der Königin zu⸗ rückkehrend. Aber er ſagte, er fürchte, daß er oder ein Anderer wiederkehren werde.
So laſſen Sie uns jetzt berathen, was zu thun iſt, ſagte die Königin. Rufen Sie Pater Guarini, da⸗ mit auch er uns ſeinen Rath ertheile.
Dank dieſer Berathung Marie Joſephinens mit ihrem Beichtvater und ihrer Oberhofmeiſterin ließ ſie den Abgeſandten des Königs von Preußen, als er nach einer Stunde um eine Audienz nachſuchen ließ,


