Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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Euer Majeſtät, ſagte er, ein Abgeſandter des Kö⸗ nigs von Preußen bittet um die Gnade einer Audienz.

Die Königin runzelte die Stirn und erröthete vor Zorn. Sagen Sie dem Herrn Abgeſandten, befahl ſie, daß ich durchaus verhindert bin, ſeinen Beſuch zu empfangen. Er möge daher die Güte haben, Ihnen ſeinen Auftrag mitzutheilen.

Es wird wieder eine ſeiner heuchleriſchen Freund⸗ ſchaftsverſicherungen ſein, ſagte die Königin, als der Kammerherr ſich entfernt hatte. Ohne Zweifel führt er wieder etwas Böſes im Schilde, und will uns da⸗ her ſtreicheln bevor er uns kratzt.

Eben kehrte der Kammerherr zurück, aber ſein vorher lächelndes Geſicht war jetzt bleich und ſchrek⸗ kensvoll.

Nun? fragte die Königin, welche Botſchaft bringt mir der Herr Abgeſandte des Königs von Preußen?

Oh, Majeſtät, ſtammelte der zitternde Höfling, meine Lippen werden es nicht wagen ſeine Worte zu wiederholen, und nie würde ich den Muth haben zu ſagen, was er fordert..

Er fordert etwas? rief die Königin. Iſt es da⸗ hin ſchon gekommen, daß ein fremder Fürſt in unſe⸗ ren Landen ſtatt zu bitten fordern darf? Gehen Sie, Frau Gräfin, ich ſende Sie, um in meinem Namen, und von mir bevollmächtigt die Botſchaft des Königs von Preußen zu vernehmen, und ich befehle Ihnen mir die Wahrheit zu ſagen!

Die Oberſthofmeiſterin, Gräfin Ogilva, verließ mit dem Kammerherrn das königliche Gemach, Marie Jo⸗ ſephine blieb allein. Und allein mit ſich ſelber hatte ſie nicht mehr nöthig dieſe Maske der ſtolzen Ruhe, der überlegenen Sicherheit zu bewahren, allein mit ſich ſelber durfte die Königin ſich erlauben, Weib zu ſein.