Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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Grafen Brühl? Er lebte da oben in üppiger Pracht mit dem König, und wenn er aus einem der glänzen⸗ den Säle herunterſchaute in das Thal, ſo ſah er da unten zu den Füßen des Berges auf der kleinen Wieſe neben der Elbe die Heerde von Kühen und Kälbern, von Schafen und Rindern, welche lebten, um für ihren König zu ſterben, gleich den ſächſiſchen Kriegern! Dieſe Heerde von Thieren war für die königliche Ta⸗ fel beſtimmt, und man hatte alſo nicht zu fürchten, daß der Feind, welcher die Armee heimſuchte, ſeinen Weg auch fortſetze bis hinauf in die Prunkſäle der königlichen Feſtung. Außerdem war es bei Todes⸗ ſtrafe verboten, eins dieſer Thiere, welche für die kö⸗ nigliche Tafel beſtimmt waren, dieſem edlen Berufe zu entziehen, um es etwa dazu zu verwenden, die hungrigen Krieger zu ſättigen, und Graf Brühl konnte daher ganz ruhig erwarten, bis die öſterreichiſche Armee, deren eine Heeresabtheilung unter dem General Brown ſchon in Geſchwindmärſchen daherzog, zum Erſatz des ſächſiſchen Lagers angelangt ſei.

Während der König von Polen daher mit ſeinem Miniſter glückliche und ſybaritiſche Tage auf der Feſte Königſtein verlebte, war die Königin mit den Prinzen des Königshauſes in Dresden zurückgeblieben; und obwohl ſie den ſchwankenden und unentſchiedenen Cha⸗ rakter ihres Gemahls kannte, und wußte, daß der König von Preußen, auf dieſen rechnend, ſich mit ihm in einen Briefwechſel eingelaſſen hatte, um den Chur⸗ fürſten zur entſchiedenen Neutralität zu bereden, ſo fürchtete die Königin diesmal doch nicht, ihren Gemahl nachgeben zu ſehen. War doch Graf Brühl, der glü⸗ hende und unverſöhnliche Feind Preußens, an ſeiner Seite, und hatte der König ſeiner Gemahlin doch, be⸗ vor er in's Lager abgereiſt, mit feierlichem Handſchlag