Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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ſorgenloſen, genußvollen Leben früherer Tage. Man hatte nur den Wohnort, nicht aber den Charakter ge⸗ ändert, man träumte nur von zukünftigen Siegen, von den Provinzen, die man dem König von Preußen ab⸗ gewinnen werde, und in Ausſicht auf dieſen Gewinn ſetzte man das luxuriöſe, prunkende und üppige Leben fort. Was kümmerte es den Grafen Brühl, daß die Armee nur für vierzehn Tage mit Lebensmitteln ein⸗ gerichtet und daß dieſe vierzehn Tage bald abgelaufen ſeien, ohne daß es möglich geweſen, dem Heer neue Nahrungsmittel zuzuführen. Denn der König von Preußen hatte ringsum die Ausgänge des Engpaſſes beſetzt, und ließ keinen Wagen, außer dem Fourage⸗ wagen des Königs, die Straße paſſiren. Beſſer als die Generale der ſächſiſchen Armee kannte der König den fürchterlichen, den nnüberwindlichen Feind, welcher auf das Lager von Pirna heranmarſchirte. Was hal⸗ fen gegen dieſen Feind die Verhaue, die Böſchungen und Palliſſaden, mit denen man ringsum das Lager gegen den Feind von außen geſichert. Dieſer Feind war in dem Lager, nicht außerhalb deſſelben, er hatte nicht nöthig die Palliſſaden und Verhaue zu erklettern, durch die Luft kam er dahergeflattert, und ließ auf jedem der Zelte als unheimlicher Todesvogel ſein grauſiges Wehegeſchrei vernehmen! Dieſer Feind war der Hunger, der entnervende, entmuthigende, demo⸗ raliſirende Hunger!

Die vierzehn Tage waren abgelaufen, und im La⸗ ger von Pirna ſchmachteten ſiebenzehntauſend Menſchen. Schon wurden die Brod⸗Portionen immer kleiner, ſchon wurde nur noch der dritte Theil der gewöhnlichen Fleiſchrationen ausgetheilt, und auch den Pferden ihre Nahrung um ein Drittheil verkürzt. Trauer und Weh⸗ klage herrſchte im Lager. Was kümmerte das den