Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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Sie nahm mit einem ungewöhnlich heiteren Lä⸗ cheln den Arm ihres Gemahls, und trat mit dem König und gefolgt von den Prinzen und dem gräf⸗ lichen Paar aus dem Zelt. Mit ſchweigenden und raſchen Grüßen gingen die Majeſtäten an dieſen feſt⸗ lichen Tafeln vorüber, an denen die Gäſte ſich erhoben hatten, um das Königspaar zu begrüßen, und deren verſtohlene Blicke in ihren Mienen die Auflöſung die⸗ ſes Räthſels zu leſen ſuchten, welches die glänzende Geſellſchaft ſeit dem Erſcheinen des preußiſchen Ge⸗ ſandten ſchon beſchäftigte, und über welches man ſich flüſternd und angſtvoll ſeine Bemerkungen mitgetheilt hatte.

Aber die Geſichter des Königs und der Königin hatten ſchon ihre gewohnte Gleichgültigkeit wieder an⸗ genommen. Der König lächelte zwar nicht, wie er ſonſt zu thun pflegte, aber ſein gutmüthiges Antlitz verrieth durchaus keine Sorge und Angſt. Die Köni⸗ gin hatte ihre gewohnte kalte Haltung, und nichts ſchien vorgefallen, was ihr hochgehobenes, ſtolzes Haupt zu beugen vermochte.

Nachdem die königlichen Gäſte in ihren vergoldeten Caroſſen ſich entfernt hatten, kehrte der Graf zu ſeinen Gäſten zurück. Auch er hatte jetzt ſeine gewohnte Heiterkeit ſchon wiedergefunden. Mit unbefangener Freundlichkeit wandte er ſich hier und dort an ſeine Gäſte, und indem er ſie mit den ſchmeichelhafteſten Worten erſuchte das Feſt ſeiner Gemahlin noch länger mit ihrer Gegenwart zu ſchmücken, bat er zugleich um Erjaubniß ſich ſelber auf eine kurze Zeit entfernen zu dürfen. Dann winkte er hier und dort den Miniſtern, an welchen er vorüberkam, und flüſterte ihnen einige Worte zu, auch mit dem ruſſiſchen, öſterreichiſchen und franzöſiſchen Geſandten ſprach er heimlich und leiſe