Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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darf, mit ſeinem Heer in mein Land einzudringen,

und meine Städte zu beſetzen! Gehen Sie, mein

Herr, ich habe Se. Majeſtät keine Antwort weiter zu ertheilen.

Der Graf Maltzahn verneigte ſich tief vor dem König und ſeiner Gemahlin, und verließ dann ſchwei⸗ gend das Königszelt.

Als er gegangen war, wandten Aller Blicke ſich auf den Premierminiſter; von ihm, welcher gewiſſer⸗ maßen die Seele des ſächſiſchen Königreichs war, von ihm erwartete man jetzt allein auch Hülfe und Rath. Man war es ſo gewohnt ihn in allen Din⸗ gen entſcheiden und handeln zu ſehen, daß man jetzt die Entſcheidung auch nur von ſeinen Lippen er⸗ wartete.

Aber der allmächtige Günſtling, welcher ſonſt bei allen Intriguen immer Rath gewußt, war jetzt den allmächtigeren Thatſachen gegenüber vollkommen rath⸗ los und entmuthigt. Zudem wußte er, beſſer wie der König und die Churprinzen, wie ganz unmöglich es ſei, dieſem plötzlichen Ueberfall des Königs von Preu⸗ ßen Widerſtand eutgegenzuſtellen. Man hatte auf dem Papiere alle Vorbereitungen zu dieſem Kriege wider den König vorbereitet, aber in Wirklichkeit fehlte noch ſehr viel an der Ausführung dieſer Intriguen. Es fehlte vor allen Dingen an einem ſtreitkräftigen Heer. Wozu hätte man auch die Armee jetzt ſchon auf den Kriegsfuß ſetzen ſollen, da man erſt im nächſten Früh⸗ ling den Krieg mit den Verbündeten gegen Preußen beginnen wollte? Der Herr Premierminiſter hatte alſo nicht allein die in Polen befindlichen Regimenter nicht zurückgerufen, ſondern, da ſeine Kaſſen leer wa⸗ ren, und ſein Luxus ſehr viel Geld erforderte, hatte er vor einigen Monaten erſt die Kriegerzahl im Lande