Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

—

— 183—

und ſagten mir nichts? Sie empfingen Couriere mit darauf bezüglichen Depeſchen?

Sire, es iſt wahr, ich empfing zwei Couriere, ſagte der Graf verwirrt. Die Depeſchen des Einen wur⸗ den mir übergeben in dem Moment, als die König⸗ lichen Majeſtäten die Gnade hatten, mein Haus zu betreten, die Andere empfing ich eben, als der Herr Geſandte hier eintrat. Ich habe daher beide Depeſchen nicht geleſen.

Wenn Euer Exeellenz mir geſtatten wollen, ſagte Graf Maltzahn lächelnd, werde ich die Ehre haben können, Ihnen den Iuhalt derſelben mitzutheilen, denn da ich weiß, woher die Couriere kommen, kann ich den Inhalt der Depeſchen errathen.

Dann bitte ich, mir denſelben mitzutheilen, befahl der König ernſt.

Nun denn, Sire, die erſte dieſer Depeſchen kam aus Torgau, und brachte die Nachricht, daß Se. Ma⸗ jeſtät der König von Preußen mit ſeiner Heeresabthei⸗ lung dieſe Feſtung, ſo wie auch die Feſtung Wittenberg, ohne irgend einen Widerſtand zu finden, eingenommen habe.

Ein leiſes Gemurmel des Erſtaunens ließ ſich ver⸗ nehmen. Der König war mit einem leiſen Aechzen in ſeinen Fauteuil zurückgeſunken, die Königin war noch bleicher geworden als zuvor. Graf Brühl hielt ſich mit krampfhaft geſchloſſener Hand an der Lehne des königlichen Seſſels feſt, und ſeine übermüthige, ſtolze Haltung war jetzt einer muthloſen Zerknirſchung gewichen. 4

Weiter! ſagte der König mit dumpfem Ton.

Die zweite Depeſche, Sire, fuhr Graf Maltzahn lächelnd fort, die zweite Depeſche brachte dem Herrn Premierminiſter die Nachricht, daß der König von