— 182—
ohne vorherige Anfrage gewähren? Er will nach Sachſen kommen?
Sire, ſagte Graf Maltzahn mit einem feinen Lä⸗ cheln, Se. Majeſtät iſt ſchon gekommen! Seine Armee hat in drei verſchiedenen Colonnen die Grenzen Sach⸗ ſeus ſeit geſtern überſchritten.
Der König ſtieß einen leiſen Schrei aus, und er⸗ hob ſich unwillkührlich von ſeinem Sitz. Das Antlitz der Königin ward todtenbleich und ihre Lippen zitter⸗ ten, aber ſie ſchwieg und warf einen Blick des tödt⸗ lichen Haſſes auf den Abgeordneten ihres Feindes hinüber. Graf Brühl lehnte mit dem Ausdruck tief⸗ ſter Unentſchloſſenheit und zitternden Schreckens hinter dem Fauteuil des Königs, der ſich jetzt nach ihm um⸗ wandte, und mit einem ſchweigenden Wink ihn an ſeine Seite rief.
Ich frage meinen Premierminiſter, ob er weiß, wie weit der König von Preußen in meinen Landen vorgedrungen iſt? fragte der König.
Sire, ich weiß nichts von dieſem unerhörten Er⸗ eigniß, ſagte der Graf. Der König ſcheint uns über⸗ raſchen zu wollen, wie nur der geſchickteſte Escamoteur es je vermochte. Oder iſt dies Ganze etwa auch nur ein Aprilſcherz, wie der König von Preußen, wie man ſich erzählt, ſie zuweilen auszuüben liebt!
Euer Excellenz müſſen am beſten wiſſen, erwiederte Graf Maltzahn ernſt, ob Sie das Einnehmen von Städten und Feſtungen für einen Scherz zu halten belieben! Wenn ich recht berichtet bin, haben Euer Excellenz heute ſchon zwei Couriere empfangen, welche Sie über die Marſchroute meines königlichen Herrn aufklärten.
Wie, Herr Graf Brühl, rief der König erſtaunt, Sie wußten von dieſem abenteuerlichen Durchmarſch,


